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Archäologische Entdeckung auf dem Schaumberg verändert Blick auf die Geschichte des Saarlandes

Der Schaumberg und die Region um den Hausberg des Saarlandes sind reich an archäologischen Schätzen. Insbesondere auf dem Schaumbergplateau waren bei umfangreichen Baumaßnahmen in den  vergangenen Jahrzehnten neben bedeutenden Spuren aus dem Mittelalter auch deutlich ältere Mauerreste aus römischer Zeit freigelegt worden. Die Entdeckung einer gut erhaltenen und mächtigen Ummauerung einer römischen Höhenfestung galt dabei als außergewöhnlich und aus archäologischer Sicht von besonderer Bedeutung.

Diese wurde darum nun genauer untersucht und versetzte selbst erfahrene Archäologen in Erstaunen: Zutage kam nämlich nicht nur das größte aufgehende römische Bauwerk des Saarlandes, sondern auch der Schuhabdruck eines Römers.

Erste Hinweise auf die besondere Bedeutung hatte der Burgenforscher Dr. Joachim Zeune bereits im Jahr 2010 dokumentiert. Da seine Beobachtungen zunächst nicht veröffentlicht wurden, gerieten sie jedoch aus dem Blick. Erst die jüngsten Untersuchungen dieses Jahres ermöglichten eine umfassende wissenschaftliche Einordnung.

„Die Erforschung des Mauerwerks verändert die Geschichte auf dem Schaumberg. Und damit verändert sich die Geschichte des Saarlandes“, erklärte Landesarchäologe Simon Matzerath, Leiter des Landesdenkmalamtes. Das Landesdenkmalamt stuft die freigelegten Mauerzüge als archäologisch besonders wertvoll sowie unbedingt erhaltens- und schützenswert ein.

Seit Pfingsten legte die archäologische Fachfirma Archäoplan unter Leitung von Stefan Müller die Mauern fachgerecht frei, entfernte mit Unterstützung der Gemeinde Tholey Bewuchs und dokumentierte die einzelnen Bauphasen. Die bisherigen Ergebnisse belegen eine Nutzung des Bergplateaus von der römischen Epoche bis ins Mittelalter. Dabei kamen zwei unmittelbar nebeneinanderliegende römische Befestigungsmauern zum Vorschein. Zunächst hatten die Fachleute angenommen, die gebogene innere Mauer gehöre zum Fundament eines Turmes. Inzwischen steht fest, dass sie Teil einer eigenständigen älteren Befestigung war.

Steve Bödecker, Archäologe und Sachgebietsleiter der Bodendenkmalpflege beim Landesdenkmalamt, ordnet die Anlage zeitlich ein: „Die ältere Mauer stammt aus dem späten 3. Jahrhundert. Zu dieser Zeit gab es bereits erste Überfälle der Germanen. Vor diese Mauer wurde kurze Zeit später ein zweites römisches Schichtmauerwerk gesetzt.“ Die ältere, mehrere Dutzend Meter lange Mauer verlief in Richtung der heutigen Schaumberg Alm und schützte vermutlich eine kleinere Befestigung. Die jüngere äußere Mauer umfasste wahrscheinlich den gesamten Bergsporn beziehungsweise das Bergplateau.

Römische Mauern bestanden üblicherweise aus zwei regelmäßig gesetzten Schalen aus Handquadern. Den Zwischenraum füllten die damaligen Bauleute mit Mörtel und Bruchsteinen. Diese Konstruktion verlieh den Anlagen eine große Stabilität und erklärt, weshalb Teile des Mauerwerks bis heute in beträchtlicher Höhe erhalten sind. Über den römischen Bauteilen liegen zudem Überreste einer weiteren Mauer mit einem Mauerstumpf, die ab dem 11. Jahrhundert zur mittelalterlichen Burganlage gehörte.

Die neuen Erkenntnisse ergänzen die lange bekannte römische Geschichte der Gemeinde Tholey. Während der Vicus Wareswald bereits seit rund 25 Jahren archäologisch erforscht wird, war eine derart mächtige römische Höhenfestung auf dem Schaumberg bislang nicht nachgewiesen. Historische Berichte aus dem 19. Jahrhundert hatten außerdem auf ein mögliches römisches Heiligtum hingewiesen. Nach Einschätzung von Steve Bödecker verdichten sich damit die Hinweise, dass auf dem Schaumberg sowohl ein Tempelbezirk als auch eine befestigte Anlage bestanden haben könnten.

Kleinere Funde, darunter Bruchstücke römischer Ziegel, bestätigen die zeitliche Einordnung. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte ein Abdruck in einer römischen Mörtelschicht. Regelmäßig angeordnete Vertiefungen stammen von den Nägeln eines römischen Schuhs. Vermutlich trat ein Soldat oder Handwerker des damaligen Bautrupps in den noch feuchten Mörtel. Der Abdruck soll mit Silikon abgeformt und anschließend genauer untersucht werden. Dabei könnte sich sogar die damalige Schuhgröße bestimmen lassen, scherzte Bödecker.

Um die exponiert liegenden Mauern untersuchen und sichern zu können, war eine außergewöhnliche Gerüstkonstruktion notwendig. Das vier Ebenen hohe und besonders tief gegründete Gerüst überspannt die Mauerbereiche von einem tragfähigen Standort aus. „Ein solches Gerüst hat es in dieser Form bislang nicht gegeben“, erläuterte Martin Sauder, Diplom-Geologe und bei der IBS GmbH für die Sanierungsmaßnahmen verantwortlich.

Hangdruck, Baumbewuchs, Frostschäden und natürliche Erosion gefährden allerdings  die römischen und mittelalterlichen Mauern. Deshalb starteten das Landesdenkmalamt und die Gemeinde Tholey ein gemeinsames Pilotprojekt, das die wissenschaftliche Erforschung mit der Entwicklung eines Sicherungskonzeptes verbindet. Dabei geht es neben dem Denkmalschutz auch um die Verkehrssicherheit, da zwei öffentliche Wanderwege unmittelbar unterhalb beziehungsweise im Bereich der Mauern verlaufen.

Fördermittel der Gemeinde Tholey, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Denkmalschutz-Sonderprogramms VIII ermöglichen die Pilotstudie. Das Institut für Baustoffuntersuchung und Sanierungsplan konzentriert die ersten Sicherungsarbeiten auf den besonders gefährdeten Mauerabschnitt unterhalb des Aussichtsturms. Die Ergebnisse sollen zugleich als Grundlage für die Sanierung weiterer Bereiche und für neue Förderanträge dienen.

„Die Entdeckung unterstreicht die außergewöhnliche historische Bedeutung des Schaumbergs weit über unsere Gemeinde hinaus“, erklärte Bürgermeister Andreas Maldener. „Gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt und den beteiligten Fachleuten soll dieses einzigartige Zeugnis der römischen und mittelalterlichen Geschichte erforscht, gesichert und dauerhaft erhalten werden. Zugleich eröffnet es neue Möglichkeiten, die Geschichte des Schaumbergs für Bürgerinnen und Bürger sowie für Gäste anschaulich erlebbar zu machen.“

Nach Abschluss der Dokumentations- und Sicherungsarbeiten sollen Informationstafeln die neuen Erkenntnisse vermitteln und die Mauern behutsam in das touristische Angebot auf dem Schaumberg einbinden. Künftige Eingriffe in den Boden des Plateaus sollen eng mit der archäologischen Denkmalpflege abgestimmt werden. Das Landesdenkmalamt will die Befestigungsanlagen langfristig weiter untersuchen, um offene Fragen zur Geschichte des Schaumbergs, des Saarlandes und der gesamten Großregion zu klären.