Das Wortsegel bei Sotzweiler zählt seit genau zwei Jahrzehnten zu den markantesten Wahrzeichen der Gemeinde Tholey und des Saarlandes. Zum 20-jährigen Bestehens der imposanten Stahlskulptur wurde nun ein umfangreicher Jubiläumsband veröffentlicht, der die Geschichte, Entstehung und Entwicklung des außergewöhnlichen Kunstwerks dokumentiert.
Vorgestellt wurde das Buch im Rahmen einer Präsentation in der Gemeinde Tholey. Der rund 90 Seiten starke Band entstand in Zusammenarbeit der Gemeinde Tholey mit dem Künstler und Schöpfer des Wortsegels, Professor Heinrich Popp. Das Werk verbindet historische Dokumente, bislang nur schwer zugängliche Texte aus der Zeit der Einweihung sowie neue Beiträge, die die Bedeutung der Skulptur aus heutiger Sicht beleuchten.
„Dieses Buch ist weit mehr als eine Neuauflage der damaligen Einweihungsbroschüre. Es vereint die Geschichte, die Ideen und die Entwicklung dieses besonderen Ortes und zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung das Wortsegel heute für die Gemeinde Tholey und weit darüber hinaus besitzt“, sagte Bürgermeister Andreas Maldener. Dabei hob der Verwaltungschef auch den Stellenwert des Wortsegels als Namensgeber des renommierten gleichnamigen Schreibwettbewerbs hervor.
Das Wortsegel wurde im Jahr 2005 auf einer Anhöhe bei Sotzweiler errichtet und hat sich seitdem zu einer weithin sichtbaren Landmarke entwickelt. Für viele Besucher gehört die Skulptur heute ebenso selbstverständlich zur Gemeinde Tholey wie der Schaumberg oder die Abtei Tholey. Das Kunstwerk verbindet Kultur, Landschaft und Identität auf besondere Weise und ist zu einem beliebten Ziel für Spaziergänger, Wanderer und Kunstinteressierte geworden.
Professor Heinrich Popp, der in Sotzweiler geboren wurde und als emeritierter Hochschullehrer sowie bildender Künstler weit über die Region hinaus bekannt ist, erläuterte bei der Buchvorstellung auch die technischen Besonderheiten der Skulptur. „Nach Aussage der Dillinger Hütte kann diese Skulptur mindestens 2.000 Jahre stehen bleiben“, erklärte Popp. Der verwendete Spezialstahl sei so ausgelegt, dass er über Jahrhunderte hinweg den Einflüssen von Wind und Wetter standhalten könne.
Besonders bemerkenswert sei die Konstruktion der beiden rund 13 Meter hohen Stahlelemente. Deren Spitzen berühren sich in großer Höhe lediglich auf einer Fläche von vier mal vier Zentimetern und sind dort miteinander verschweißt. Gleichzeitig müsse die Konstruktion ausreichend flexibel bleiben, um Windlasten aufnehmen zu können.
Der Jubiläumsband widmet sich daher nicht nur den kulturellen und literarischen Aspekten des Wortsegels, sondern beleuchtet auch die außergewöhnliche Ingenieurleistung hinter seiner Entstehung. Dokumentiert werden unter anderem die Fertigungs- und Montagearbeiten sowie die enge Zusammenarbeit mit der Dillinger Hütte. Die Herstellung der tonnenschweren Stahlplatten stellte seinerzeit höchste Anforderungen an Materialbearbeitung und Walztechnik.
„Das Wortsegel ist auch ein Symbol für die Leistungsfähigkeit der saarländischen Stahlindustrie“, betonte Heinrich Popp. Besonders beeindruckt habe ihn damals die technische Umsetzung des Projekts. „Ich habe viele Tage in der Dillinger Hütte verbracht und den Entstehungsprozess verfolgt. Das war faszinierend und hat mir große Freude bereitet“, sagte der Künstler.
Neben den technischen Hintergründen geht das Buch auch auf die künstlerische Idee ein. Die Inspiration für die Form des Wortsegels fand Heinrich Popp in seiner lebenslangen Faszination für die Seefahrt und die eleganten Linien moderner Segelboote. Auch der ungewöhnliche Name der Skulptur wird thematisiert. Dabei greift der Band Gedanken des saarländischen Schriftstellers Johannes Kühn auf, dessen Werke und Überlegungen die Entstehung des Projekts begleitet haben.
Bürgermeister Andreas Maldener sieht in dem Jubiläumsband zugleich ein wichtiges kulturhistorisches Dokument: „Das Wortsegel ist ein Stück Heimat. Es steht für Ruhe, Besinnung und kulturelle Identität. Der Jubiläumsband macht deutlich, wie eng Kunst, Landschaft und Geschichte an diesem Ort miteinander verbunden sind.“
Heinrich Popp wurde 1944 in Sotzweiler geboren. Nach seinem Studium an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken war er zunächst als Grafikdesigner tätig und lehrte später an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, wo er bis zu seiner Emeritierung als Professor für Visuelle Kommunikation wirkte. Sein künstlerisches Werk umfasst Zeichnungen, Malerei, Holzschnitte und Skulpturen. Das Wortsegel gilt als seine bekannteste Arbeit.
Gestaltet wurde der Jubiläumsband von Designer Eric Jacob und bei Krüger Druck + Verlag in Merzig produziert. Herausgeber ist die Gemeinde Tholey.
