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6. März 2026

Partnerschaft über 12.000 Kilometer hinweg gelebt Delegation aus der Gemeinde Tholey erlebt unvergessliche Tage in der brasilianischen Partnergemeinde Alto Feliz

Im Juni 2018 wurde auf dem Schaumberg die Partnerschaft zwischen Alto Feliz im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul und der Gemeinde Tholey im Beisein zahlreicher Gäste aus Südamerika offiziell besiegelt. Dass diese Freundschaft nicht nur auf dem Papier besteht, zeigt der lebendige Austausch zwischen den Menschen beider Kommunen – über viele Wege der Kommunikation ebenso wie durch regelmäßige gegenseitige Besuche in Brasilien und im Saarland.

Einen neuen Impuls bekam die Freundschaft nun durch den Besuch einer 16-köpfige Delegation aus dem Saarland unter Leitung von Bürgermeister Andreas Maldener in Brasilien. Sechs Tage verbrachte die Gruppe in der Partnergemeinde – Tage voller Begegnungen, Emotionen und intensiver Eindrücke.

„Städtepartnerschaften leben vor allem von den Menschen, die sie tragen“, betonte Bürgermeister Maldener zum Abschluss der Reise. „Für uns als Delegation sind elf unvergessliche Tage in Südamerika zu Ende gegangen. Wir nehmen unzählige Eindrücke mit nach Hause – von der Vielfalt dieses faszinierenden Landes, von Herausforderungen und großen Chancen, vor allem aber von Herzlichkeit, Offenheit und echter Freundschaft. Die Tage in Alto Feliz haben gezeigt, dass internationale Partnerschaften weit über offizielle Reden hinausgehen. Sie leben von Begegnungen, von gegenseitigem Respekt und von Menschen, die bereit sind, Brücken auch über Ozeane hinweg zu bauen.“

Schon bei der Ankunft am Flughafen Salgado Filho in Porto Alegre wurde deutlich, welche Bedeutung die Freundschaft zwischen beiden Gemeinden hat. Banner, Flaggen und viele offene Arme begrüßten die Gäste aus Deutschland. Wenig später ging es weiter nach Alto Feliz, wo Vertreter der Stadtverwaltung und Gastfamilien die Delegation am Rathaus empfingen.

Einer der bewegendsten Momente folgte dort mit dem symbolischen Pflanzen eines Baumes. Gemeinsam pflanzten die Bürgermeister Robes Schneider und Andreas Maldener – unterstützt von Alto Feliz’ Vizebürgermeister Douglas Schneider – einen Baum als Zeichen der Verbundenheit in die Erde. „Der Baum soll für eine Freundschaft stehen, die weiterwachsen und tiefe Wurzeln schlagen soll – in Brasilien ebenso wie in Deutschland“, so die Offiziellen.

Parallel wurde auch die Partnerschaftsurkunde zwischen beiden Gemeinden feierlich erneuert und damit die seit 2018 bestehende offizielle Verbindung bekräftigt.

Tief beeindruckt zeigte sich die Delegation vor allem von der Gastfreundschaft der Menschen vor Ort. Die Gäste aus der Gemeinde Tholey wohnten bei Gastfamilien, aus offiziellen Begegnungen wurden schnell persönliche Kontakte. „Wir haben uns 12.000 Kilometer entfernt von zu Hause wie in einer Heimat gefühlt – denn wir teilen nicht nur eine gemeinsame Sprache, sondern auch eine Geschichte, Traditionen und Kultur“, so Andreas Maldener. „Wenn man nicht weiß, wo man herkommt, weiß man auch nicht, wohin man gehen soll“, formulierte es eine Gastgeberin.

Das Programm in Alto Feliz spiegelte diese gemeinsamen Wurzeln wider. In der Evangelischen Kirche und auf den Friedhöfen wurde die Geschichte der deutschen Einwanderer sichtbar, ebenso bei einem Rundgang durch den Ort, bei dem immer wieder auch das aus Deutschland bekannte Fachwerk sichtbar wurde. Auch kulturelle Abende mit Musik und regionaler Küche machten deutlich, wie stark Kultur über Kontinente hinweg verbinden kann.

Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch im Casa do Moinho, einem von lokalen Architektenliebevoll restaurierten Fachwerkhaus, am Nachmittag der Ankunft. Dort wurden die Gäste mit Musik, regionalen Spezialitäten und herzlichen Worten willkommen geheißen. Auch Dom Jacinto Bergmann, der aus Alto Feliz stammende Erzbischof von Pelotas, dessen Vorfahren einst aus der Region des heutigen Saarlandes nach Brasilien ausgewandert waren, begrüßte die Delegation persönlich.

Die Reise führte zudem nach Nova Petrópolis in den Park „Aldeia do Imigrante“, der die Geschichte der deutschen Siedler eindrücklich dokumentiert. Historische Gebäude, Handwerkskunst und gepflegte Anlagen machten die kulturellen Verbindungen zwischen Deutschland und Brasilien besonders anschaulich.

Auch die Nachbargemeinde Feliz stand auf dem Programm, die eine Partnerschaft mit der Gemeinde Nohfelden pflegt. Bürgermeister Junior Freiberger führte die Delegation durch seine Stadt und berichtete dabei auch von den schweren Hochwasserschäden, die die Region im Jahr 2024 getroffen hatten.

Neben Kultur und Geschichte beeindruckte auch die Natur des südbrasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Sul. Am Wasserfall im Naturparadies „Sítio Paraíso na Terra“ erlebten die Gäste die landschaftliche Schönheit der Region. Ein Besuch im Weingut „Don Guerino“, bei dem die Sonne hinter den Hügeln versank, sorgte für eine besondere Atmosphäre und viele intensive Gespräche.

Einblicke in den Alltag der Kommune boten Besuche in Schulen, Kindergärten, dem Krankenhaus sowie im Rathaus von Alto Feliz. Dabei konnten sich beide Seiten über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Verwaltung und Organisation austauschen.

Den emotionalen Höhepunkt bildete schließlich ein großes Abschlussfest mit traditionellem brasilianischem Churrasco, Musik und Tanz. Es wurde gelacht, gesungen – und auch die eine oder andere Abschiedsträne vergossen.

Neben Alto Feliz führte die Reise die Delegation auch nach Rio de Janeiro und São Paulo. In der Kathedrale von São Paulo traf die Gruppe Kardinal Odilo Scherer, dessen familiäre Wurzeln ebenfalls bis in die Gemeinde Tholey reichen. In der Krypta der Kathedrale unterzeichnete er gemeinsam mit Erzbischof Jacinto Bergmann die aktualisierte Partnerschaftsurkunde.

Für die Gemeinde Tholey ist bereits heute klar: Die Verbindung zu Alto Feliz soll weiter wachsen. Die brasilianische Partnergemeinde hat bereits angekündigt, die Einladung von Bürgermeister Maldener anzunehmen und in den kommenden Jahren einen Gegenbesuch im Saarland zu planen.

 

Hintergrund: Partnerschaft zwischen der Gemeinde Tholey und Alto Feliz

Die Städtepartnerschaft zwischen der Gemeinde Tholey und der brasilianischen Gemeinde Alto Feliz geht auf historische Verbindungen zurück, die bis in das 19. Jahrhundert reichen. In jener Zeit wanderten zahlreiche Menschen aus dem heutigen Saarland und insbesondere aus dem Schaumberger Land nach Südbrasilien aus und fanden im Bundesstaat Rio Grande do Sul eine neue Heimat. Bis heute sind die kulturellen Wurzeln dieser Einwanderer in der Region deutlich spürbar: Über 80 Prozent der Bevölkerung von Alto Feliz haben deutsche Vorfahren.

Vor diesem historischen Hintergrund pflegen Menschen aus Rio Grande do Sul und dem Schaumberger Land seit vielen Jahren enge freundschaftliche und teilweise auch familiäre Kontakte. Diese Beziehungen wurden schließlich auch auf kommunaler Ebene vertieft.

Der Gemeinderat der Gemeinde Tholey stimmte in seiner Sitzung am 5. April 2017 dem Abschluss einer offiziellen Städtepartnerschaft mit Alto Feliz zu. Ziel war es, die bereits bestehenden Kontakte zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen beiden Kommunen dauerhaft zu festigen.

Die offizielle Besiegelung der Partnerschaft erfolgte am Sonntag, 10. Juni 2018, auf dem Schaumberg. Im Himmelszelt unterzeichneten der damalige Bürgermeister von Alto Feliz, Paulo Mertins, und der damalige Bürgermeister der Gemeinde Tholey, Hermann Josef Schmidt, die Partnerschaftsurkunde.

Zu diesem Anlass reiste eine Delegation von rund 30 Gästen aus Alto Feliz nach Deutschland. Unter ihnen befanden sich auch zwei hochrangige katholische Würdenträger mit Wurzeln im Schaumberger Land: Dom Odilo Pedro Kardinal Scherer, Erzbischof von São Paulo und Leiter der mit rund 5,2 Millionen Katholiken drittgrößten Diözese der Welt, sowie Dom Jacinto Bergmann, Erzbischof von Pelotas, der aus Alto Feliz stammt.

Die Partnerschaft zwischen der Gemeinde Tholey und Alto Feliz versteht sich seither als Brücke zwischen zwei Regionen, die trotz der großen geografischen Entfernung eine gemeinsame Geschichte, kulturelle Traditionen und familiäre Verbindungen teilen. Regelmäßige Begegnungen und gegenseitige Besuche tragen dazu bei, diese Verbindung lebendig zu halten und weiterzuentwickeln.