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Spaziergang durch die Geschichte des Hofguts Imsbach

Am vergangenen Samstag fand im Rahmen kulturhistorischer Informationsveranstaltungen der Gemeinde Tholey eine weitere von Klaus Linnenbach geleitete Führung durch und um das Hofgut Imsbach statt. Sie war zugleich eine Zeitreise durch die bewegte Geschichte des Hofguts. In diesem Jahr startete der ehrenamtlich für die Gemeinde tätige Wanderführer mit 21 an der Geschichte ihrer Heimat interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern erstmals von der am Mandelbach gelegenen Johann-Adams-Mühle (J.A.M.) zum nur wenige Meter entfernten Hofgut am Imsbach. Doch trotz der räumlichen Nähe waren beide Siedlungen vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit über viele Jahrhunderte landesherrschaftlich voneinander getrennt und somit jeweils Ausland. Bei dieser Führung wurde ausschließlich die Geschichte des Hofguts Imsbach beleuchtet. Während eine vorchristlich keltische und später auch römische Besiedlung lediglich durch Grabstätten und Gebrauchsgegenstände als Bodenarchiv bezeugt werden können, belegen ab 1310 Schriftsätze die Existenz einer „Siedlung mit Gütern“ sowie erstmals im Jahr 1585 eines „Hofguts Imsbach“. In den ab Beginn des 14. Jahrhunderts folgenden fünf Jahrhunderten, die herrschaftsrechtlich durch eine fast ausschließliche Zugehörigkeit zum Amt Schaumburg im Herzogtum Lothringen (J.A.M. zum Kurfürstentum Trier) geprägt wurden, vielen die Siedlung bzw. das spätere Hofgut durch Epidemien, Hungersnöte und Kriege mehrmals wüst. Dennoch wurden auch in dieser Zeit einige für unsere Heimat und insbesondere auch für das Hofgut teils nachhaltige Besitzverfügungen getroffen. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts erfuhr es durch den mit dem Hofgut belehnten Schaumburger Amtmann Le Payen und seiner Erben zu einem deutlichen Aufschwung mit Bestandskontinuität. Die in diesem Kontext relativ kurzzeitige Besitzergreifung durch Frankreich zwischen 1766 und 1813, die zudem noch von einer mehr als zehnjährigen Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Trier (mit J.A.M.) unterbrochen wurde, brachte für das Hofgut kurz vor Ende der „Franzosenzeit“ dennoch ein Ereignis, das seine Zukunft prägen sollte: Kaiser Napoleon schenkte das zum frz. Nationalgut deklarierte Gut seinem verdienten Reiteroberst Louis Charles Narcisse Lapointe. Er und seine familiären Nachfolger auf dem Hofgut, die mit ihm in der Gruft der Gutskapelle beigesetzt sind, verwalteten und betrieben das Hofgut bis 1929, bauten es bis nahezu dem heutigen Aussehen aus und verhalfen ihm zur Blüte. Beim Wiener Kongress (1815) wurde das Hofgut als Ausgleich für erbrachte Leistungen und erlittene Schäden in den Befreiungskriegen gegen Napoleon ab 1817 als Fürstentum Birkenfeld dem Großherzogtum Oldenburg (ab 1918 als Provinz/Landesteil des Freistaats Oldenburg) zugesprochen, zu dem es bis 1937 gehören sollte (J.A.M. zum Königreich Preußen). Noch heute markieren im nördlichen Verlauf zahlreiche historische Grenzsteine die damalige Trennlinie zwischen der oldenburgischen Imsbach und der preußischen Rheinprovinz. Zwischen 1920 und 1935 bildete diese südliche, Theley mit der J.A.M. zugewandte Trennlinie, auch die Grenze zwischen dem Saargebiet (Theley) und dem Deutschen Reich (Imsbach), die durch den Austausch der entsprechenden, heute noch sichtbaren Grenzsteine neu markiert wurde. Nach den Lapointes, die in Theley durch großzügige Spenden (u.a. Kirchenorgel, Kindergarten, erster Fußballplatz des VfB) in bester Erinnerung geblieben sind, sollte das Hofgut noch mehrmals zwischen privatem und staatlichem Besitz wechseln sowie die Art seiner Nutzung ändern (u.a. Privatbesitz, Justizvollzugsanstalt, Gerichtsgefängnis, Verpachtung an Landwirte durch die LEG, Ökologiezentrum, Landschaftspflegehof der Naturlandstiftung mit Tochtergesellschaften, aktuelle Übernahme durch Unternehmensgruppe mit Tochtergesellschaften). Bei der Gebiets- und Verwaltungsreform im Jahr 1974 kam das Hofgut wieder „heim nach Theley“, mit dem es in der napoleonischen Zeit (1798 – 1814) zusammen mit Hasborn und Dautweiler bereits die „Mairie de Theley“ bildete. Im Jahr 1983 wurde das komplette Gebäudeensemble einschließlich der Gutskapelle unter Denkmalschutz gestellt.

Neben der Landwirtschaft sollte insbesondere in der Zeit der Massenarmut des 19. Jahrhunderts auch der Bodenschatz „Rötel“, nach dem in den Wäldern des nach ihm benannten Rötelwaldes überwiegend im Tagebau gegraben wurde, zum Leben und Überleben der Bewohner des Hofguts sowie der nahegelegenen Dörfer beitragen. In der Erde, aus der viele unserer Ahnen mit harter Arbeit den Rötel zur Deckung ihres kärglichen Lebensunterhalts ans Tageslicht förderten, bearbeiteten und verkauften, finden heute einige von deren Nachfahren im „Friedwald“ ihre letzte Ruhestätte. Um viele Informationen zum Rötel bereichert, zu dessen Geologie, Verwendung, Abbauarten, Abbaugebieten, Konzessionsverfahren und -trägern, über Rötelgräber, -händler und -krämer, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer abschließend anhand der vom Referenten mitgebrachten Demonstrationsstücken eigenhändig die Verwendung von Rötel als Mal- und Schreibstift testen.

Text und Fotos Klaus Linnenbach