

Die Gemeinde Tholey weist die Ergebnisse des aktuellen „IW-Gemeindechecks“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) entschieden zurück. Die dort vorgenommene Bewertung vermittelt aus Sicht der Gemeinde ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Versorgungsrealität im ländlichen Raum und insbesondere in der Gemeinde Tholey.
Der IW-Gemeindecheck untersucht und vergleicht die Lebensqualität sowie die Daseinsvorsorge in Städten und Gemeinden in ganz Deutschland. Bewertet werden unter anderem die medizinische Versorgung, Bildungsangebote, Mobilität, Digitalisierung, Freizeitmöglichkeiten und die Erreichbarkeit wichtiger Einrichtungen. Ziel der Studie ist es, aufzuzeigen, wie gut Gemeinden für Bürgerinnen und Bürger aufgestellt sind und wo Stärken oder Verbesserungsbedarf bestehen. Nach der Erhebung finden sich in der Kategorie „schlecht“ fünf Saar-Kommunen wieder: Namborn, Losheim am See, Wadern, Großrosseln und Tholey.
In der Studie hat die Gemeinde Tholey insbesondere in den Bereichen Bildung und Digitalisierung, also bei der Erreichbarkeit von Schulen, Kitas und der Versorgung mit Breitbandinternet und Mobilfunk nicht gut abgeschnitten
Bürgermeister Andreas Maldener kritisiert vor allem die methodische Herangehensweise der Studie. Die verwendeten Raster, Bewertungsmaßstäbe und Erreichbarkeitskriterien seien offensichtlich auf urbane Verdichtungsräume zugeschnitten und würden die Besonderheiten ländlicher Flächengemeinden systematisch benachteiligen.
„Wer ländliche Gemeinden mit den Maßstäben von städtischen Räumen misst und Nähe zu diesen als maßgeblich ansieht, kommt zwangsläufig zu solchen verzerrten Ergebnissen“, erklärt der Bürgermeister. „Die Studie bewertet vor allem Dichte, kurze Wege und urbane Infrastrukturkonzentration – nicht aber die tatsächliche Lebenswirklichkeit und Versorgung der Menschen vor Ort.“
Besonders kritisch sieht die Gemeinde, dass der IW-Gemeindecheck starke Schwerpunkte auf die unmittelbare Nähe zu überregionalen ÖPNV-Verbindungen, eng getakteten Verkehrsangeboten und zentralisierten Infrastrukturstandorten legt. Solche Kriterien könnten je nach geographischer Nähe Ballungsräumen naturgemäß leichter erfüllt werden als in ländlichen Flächengemeinden.
Gerade die besondere Struktur der Gemeinde Tholey werde in der Studie aus Sicht der Verwaltung aber nicht ausreichend berücksichtigt. Anders als flächenmäßig kompaktere Gemeinden im Umfeld wie Oberthal (23 km²) oder Marpingen (39 km²) ist die Gemeinde Tholey mit 57km² eine klassische Flächengemeinde mit neun räumlich verteilten Ortsteilen. Infrastruktur müsse daher bewusst dezentral organisiert und über größere Distanzen hinweg vorgehalten werden.
„Wir versorgen nicht einen kompakten Ortskern, sondern neun eigenständige Ortsteile mit unterschiedlichen Bedürfnissen“, betont Bürgermeister Andreas Maldener. „Genau darin liegt die besondere Herausforderung einer Flächengemeinde – aber auch ihre Stärke.“
Während dichter besiedelte Gemeinden aufgrund kürzerer Wege und konzentrierter Infrastruktur statistisch leichter gute Werte erzielen könnten, müssen in der Gemeinde Tholey Angebote über eine deutlich größere Fläche organisiert werden. Dadurch entstünden bei rasterbasierten Bewertungen automatisch Nachteile.
„Wenn man allein misst, wie schnell jemand fußläufig einen Bahnhof oder eine zentrale Infrastruktur erreicht, geraten Flächengemeinden zwangsläufig ins Hintertreffen“, erklärt Maldener weiter. „Das sagt aber sehr wenig darüber aus, ob eine Gemeinde tatsächlich funktioniert.“
Die Gemeinde Tholey verfügt trotz ihrer ländlichen Struktur über ein breites und funktionierendes Versorgungsangebot. Hierzu zählen unter anderem:
Gerade die Kinderbetreuung und Bildungsinfrastruktur zeigten deutlich, dass die Gemeinde ihrer Verantwortung für Familien und junge Menschen in allen Ortsteilen aktiv nachkomme. Für eine ländliche Flächengemeinde dieser Größe sei dies keineswegs selbstverständlich.
Besonders hebt der Bürgermeister die Bedeutung des Ehrenamtes sowie des gesellschaftlichen Engagements hervor. Ob in Vereinen, Feuerwehren, sozialen Initiativen, Kultur- und Sportvereinen, kirchlichen Gruppen, im Bürgerbus-Projekt ober bei Parcours for Kids: Viele Angebote im Alltag würden erst durch den Einsatz zahlreicher engagierter Bürgerinnen und Bürger möglich gemacht. Hinzu kämen Angebote wie das Erlebnisbad Schaumberg mit 240.000 Besucherinnen und Besuchern im abgelaufenen Jahr, die Abtei Tholey mit den zwischenzeitlich weltberühmten Fenstern von Gerhard Richter oder der Schaumberg als überregionale Landmarke.
„Gerade der Zusammenhalt und das ehrenamtliche Engagement sind eine der größten Stärken unserer Gemeinde“, betont Bürgermeister Andreas Maldener. „Im ländlichen Raum entsteht Lebensqualität nicht allein durch Infrastrukturstatistiken, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen und ihre Heimat aktiv gestalten. Und genau die haben wir in unserer Heimat. Das macht mich unglaublich stolz. Leider bilden solchen Studien genau diese entscheidenden Faktoren viel zu selten ab.“
Die Gemeinde verweist zudem darauf, dass der ländliche Raum keineswegs ein Auslaufmodell sei, sondern erhebliche wirtschaftliche Potenziale biete. Beispielhaft nennt die Gemeinde die jüngste Ansiedlung der FRICKE-Gruppe im Industrie- und Gewerbegebiet BAB 1. Diese Investition zeige eindrucksvoll, dass Unternehmen bewusst die Chancen ländlicher Standorte erkennen – etwa verfügbare Flächen, gute Verkehrsanbindungen im regionalen Kontext, engagierte Fachkräfte und eine hohe Standortqualität.
„Die Ansiedlung der Fricke-Gruppe ist ein starkes Signal für die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde und des ländlichen Raums“, erklärt Bürgermeister Andreas Maldener. „Sie zeigt, dass der ländliche Raum nicht nur Herausforderungen, sondern vor allem enorme Chancen bietet – wirtschaftlich, gesellschaftlich und für die Lebensqualität der Menschen.“
Kritisch sieht die Gemeinde zudem, dass die Untersuchung überwiegend innerhalb administrativer Gemeindegrenzen messe. Tatsächlich seien die Menschen im ländlichen Raum regional vernetzt und nutzten selbstverständlich auch Angebote in benachbarten Mittelzentren wie der Kreisstadt St. Wendel oder anderen umliegenden Gemeinden.
„Ländliche Versorgung funktioniert nicht nach der Logik eines großstädtischen Häuserblocks“, so Bürgermeister Andreas Maldener weiter. „Unsere Bürgerinnen und Bürger erwarten keine U-Bahn im Fünf-Minuten-Takt vor der Haustür. Entscheidend ist vielmehr, ob Versorgung im Alltag funktioniert – und das tut sie in Tholey.“
Die Gemeinde warnt davor, Rankings dieser Art unreflektiert zu übernehmen. Solche Bewertungen könnten das Bild ländlicher Regionen verzerren und bestehende Vorurteile verstärken, obwohl viele Gemeinden erfolgreich neue Wege bei Nahversorgung, Mobilität und Daseinsvorsorge gehen.
Abschließend betont Bürgermeister Andreas Maldener:
„Wir stehen zu den Herausforderungen des ländlichen Raums, zum Beispiel bei der Mobilfunkversorgung oder beim Ausbau von Glasfaseranschlüssen. Gleichzeitig lassen wir uns aber nicht auf einen pauschalen Negativbefund reduzieren, der die tatsächlichen Stärken, die hohe Lebensqualität, die wirtschaftliche Entwicklung und das enorme ehrenamtliche Engagement in unserer Gemeinde ausblendet.“
Mit Sorge betrachtet die Gemeinde darüber hinaus die gesellschaftliche Wirkung solcher Rankings. Wenn ländliche Räume einseitig als abgehängt oder defizitär dargestellt würden, ohne ihre tatsächlichen Stärken, ihre Eigenheiten und ihre funktionierenden Strukturen angemessen zu berücksichtigen, könne dies Frustration und Politikverdrossenheit verstärken.
„Wer den Menschen im ländlichen Raum ständig vermittelt, sie lebten angeblich in den schlechtesten Gemeinden Deutschlands, obwohl ihr Alltag funktioniert und ihre Heimat lebenswert ist, stärkt am Ende vor allem antidemokratische Kräfte“, warnt Bürgermeister Andreas Maldener. „Solche pauschalen Negativbilder sind Wasser auf die Mühlen derjenigen, die Vertrauen in Staat, Institutionen und gesellschaftlichen Zusammenhalt gezielt untergraben wollen.“
