

Bei den Sanierungsarbeiten in der Abtei- und Pfarrkirche Tholey vor mehr als 60 Jahren wurde ein bearbeiteter Stein entdeckt, der erst vor genau 20 Jahren seine wahre Bedeutung preisgab.
Dieses beeindruckende Stück Heimatgeschichte und sein „Jubiläum“ standen im Mittelpunkt eines beeindruckendes Vortrags im Tholeyer Rathaussaal, zu dem der Historische Verein Tholey in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Tholey eingeladen hatten.
Die zahlreichen Gäste konnten dabei von Referent Niko Leiß, Vorsitzender der historischen Vereins, Diplom Ingenieur, Restaurator und „Entdecker“ des Doppelreliefs, erfahren, dass bei dem Stein nach seiner Entdeckung im Jahr 1959 nur ein Relief aus römischer Zeit wahrgenommen worden war. Die damalige Deutung: Es zeigt eine mit Gewand und Schild versehene Figur. Bemerkenswert seien zudem die noch reichlich vorhandenen Reste einer antiken Farbfassung gewesen.
Summa Summarium ein interessantes Stück, das nach seiner Entdeckung jedoch eher ein Schattendasein im Abteimuseum führte. Bis vor genau 20 Jahren: Damals sollte das Fundstück als Leihgabe der Benediktinerabtei ins Museum Theulegium wechseln. Bei der Vorbereitung zur Präsentation machte Niko Leiß eine interessante Entdeckung:
Nach sorgfältiger Entfernung anhaftender Erde kam auf der Rückseite das beschädigte Relief einer männlichen Figur zutage. Damit stand fest: Der Stein war auch auf der Rückseite bearbeitet.
In seinem Vortrag stellte der Vereinsvorsitzende das bislang wenig beachtete Objekt mit seinen beiden Seiten nicht nur vor, sondern präsentierte auch neue Deutungsansätze.
Insbesondere bei der bislang als „römischer Legionär mit Schild und Lanze“ beschriebenen Figur zeigte er auf, dass auch verschiedene alternative Interpretationen durchaus möglich erscheinen. So könnte es sich beispielsweise womöglich auch um den Halter eines Pferdes handeln. Ausgehen könne man aber davon, dass es sich bei dem Auftraggeber des Reliefs einst um einen wohlhabenden Menschen gehandelt haben müsse.
Natürlich ging der Referent auch auf die andere Seite sein.
Nicht geklärt sei dabei, ob es sich dort um eine vorrömisch-keltische oder eine nachrömisch-fränkische Darstellung handeln könnte.
Diverse mögliche Szenarien zur Entstehung und Wiederverwendung des Steins – möglich könnten beispielsweise eine Nutzung als Grabplatte sein – rundeten den Vortrag ab.
Bürgermeister Andreas Maldener, der aus terminlichen Gründen selbst nicht bei dem Vortrag dabei sein konnte, dankte Niko Leiß und dem historischen Verein für ihr Engagement zur Erforschung der Regionalgeschichte.
„Sie leisten seit vielen Jahrzehnten eine wertvolle ehrenamtliche Arbeit, nicht nur bei der Forschung, sondern auch beim Betrieb des Museum Theulegium, wo sich jeder selbst ein Bild von der Arbeit des Vereins machen und sich den Reliefstein selbst ansehen kann.“
Der Reliefstein mit seiner keltischen und römischen Geschichte sowie der Wiederverwendung in den Fundamenten des ältesten Klosters Deutschlands stehe symbolisch für eine Kontinuität der Besiedlung und Kultur des Schaumberger Landes über mehr als 2500 Jahre.
Aus dem keltischen Relief wurde übrigens die gezeichnete Sympathiefigur „Tholix“ entwickelt, die seit einigen Jahren für die Schaumberger Heimat und für das Interesse an deren Geschichte wirbt.
Zu sehen ist diese nicht nur an einer Hauswand in der Tholeyer Ortsmitte, sondern auch auf verschieden Produkten, wie Likör oder Honig, die es in der Tourist-Information der Gemeinde Tholey in der Römerallee 5 oder im Museum Theulegium am Rathausplatz zu kaufen gibt.
