Pater Wendelinus Naumann ist neuer Abt der Benediktinerabtei Tholey. Am Nachmittag des 25. August wurde der bisherige Prior des Klosters unter dem Vorsitz von Abtpräses Franziskus Berzdorf und im Beisein von Abt Andreas Werner aus der Abtei Gerleve (Westfalen ) für zwölf Jahre zum Abt des ältesten Klosters Deutschlands gewählt.
Die Wahl war nach dem überraschenden Tod von Abt Mauritius Choriol im Juli 2025 notwendig geworden.
Die wahlberechtigten Tholeyer Mönche hatten bei der Nachfolgeregelung zuerst die Wahl, in welcher Form das Kloster künftig geleitet werden. Neben dem Normalfall – der Wahl eines Abtes – standen die Administratur auf drei Jahre oder die Wahl eines Konventualpriors auf neun Jahre zur Alternative. In geheimer Wahl sprachen die Mönche sich mit der dafür benötigten Zweidrittelmehrheit für eine Abtswahl aus.
Die zweite Frage bezog sich auf die geeignete Person. Gewählt werden konnten alle Mönche mit Feierlicher Profess. Papst Franziskus hatte die Möglichkeit auch für Mönche ohne Priesterweihe eröffnet. Dies geschah nicht zuletzt im Hinblick auf den Benediktinerorden, da die neuere Forschung davon ausgeht, dass der heilige Benedikt selbst die Priesterweihe nie empfangen hatte und dennoch als Vater des abendländischen Mönchtums gilt. Außerdem wäre es möglich gewesen, dass ein Kandidat aus einem anderen Kloster postuliert (vorgeschlagen) wird.
In geheimer Wahl wurde schließlich der bisherige Prior P. Wendelinus Naumann zum neuen Abt von Tholey gewählt, wobei auch hier Zweidrittel der Stimmen benötigt wurden. Nach Befragung durch den wahlleitenden Abtpräses Dr. Franziskus Berzdorf nahm der bisherige Prior das Amt an. Daraufhin trug er das Glaubensbekenntnis in der Versammlung vor, wobei die rechte Hand auf dem Evangeliar lag. Diesem Akt folgte die Übergabe der Schlüssel zur Abtei und des Abteisiegels. Zuletzt wurde P. Wendelinus das Pektoral (Brustkreuz) als äußeres Zeichen angelegt.
Der Wahl im Kapitelsaal folgte dann der Gang in die Abteikirche. Knieend vor den Altarstufen wurden dort das Te deum gesungen, Fürbitten gehalten und gebetet. Danach führte der Abtpräses den Neugewählten zum Platz des Abtes (Stalle) im Chorgestühl. Der Akt der Installation wurde durch das Platznehmen des Neugewählten abgeschlossen. Abt Wendelinus ist damit rechtmäßiger Nachfolger von Abt Mauritius mit allen Rechten und Pflichten geworden.
Abt Wendelinus, mit bürgerlichem Namen Johannes Naumann, stammt aus Thalexweiler bei Lebach. Nach dem Abitur widmete er sich zuerst der Geschichtsforschung und Numismatik. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Artikel, vor allem zur Regionalgeschichte und Genealogie. Der Abtei stand er seit Ende der 1990er Jahre nahe. Zusammen mit P. Benedikt Hermesdorff trug er in jahrelanger Kleinarbeit Archivalien zur Abteigeschichte in etlichen in- und ausländischen Archiven zusammen. Nach dem Ende der Amtszeit von Abt Makarios Hebler, der 2008 resignierte (Amtsverzicht) wurde er Vorsitzender des Fördervereins der Benediktinerabtei und half dem damaligen Oberen Prior-Administrator P. Mauritius Choriol bei der Neuausrichtung der Abtei, vor allem in Verwaltung und Renovierung der Konventgebäude. 2015 trat der heutige Abt dann in die Abtei Tholey ein. Auf die Vorstufen des Postulates und Noviziates folgte dann die Profess auf Zeit, die 2019 in der Ewigen Profess mündete. In dieser Zeit studiere P. Wendelinus in St. Lambert in Lantershofen in der Nähe von Bonn Theologie und Philosophie. Nach Abschluss folgten dann die Weihe zum Diakon und zum Priester. In der Abtei nahm Abt Wendelinus bisher das Amt des Magisters (Ausbildungsbeauftragter) und seit 2023 das Amt des Priors, d.h. Stellvertreter des Abtes wahr. In den Jahren 2016 bis 2020 war Abt Wendelinus auch stark in die Koordination, Planung und Umsetzung der Sanierung der mittlerweile international bekannten Abteikirche mit ihren berühmten Fenstern eingebunden. So stammt das thematisch-theologische Konzept der Kirchenfenster, welche von Mahbuba Maqsoodi umgesetzt wurden von ihm.
Abt Wendelinus sieht seine Aufgabe als Nachfolger von Abt Mauritius in Fortführung und Abschluss noch anstehender Entscheidungen. Ihm ist der weitere innere Aufbau des Konventes und die Gewinnung weiterer Mönche wichtig. Der Konvent von Tholey ist von seinem Durchschnittsalter außergewöhnlich jung. Der älteste Mönch ist 79 Jahre, der jüngste 29 Jahre alt, wobei das Durchschnittsalter unter 50 Jahren liegt. Des Weiteren betont Abt Wendelinus den Lobpreis des Herrn im Chorgebet und die Feier der Hl. Messe in würdiger Form. Auch das das pastorale Engagement im Schaumberger Land, die Feier der Sakramente wie Taufe und Hochzeiten oder der Beichte, die in Tholey ein großes Gewicht haben, liegt ihm am Herzen.
Hinsichtlich der touristischen Entwicklung setzt Abt Wendelinus weiterhin auf die Kooperation mit der Gemeinde Tholey. Eine sanfte und schonende Entwicklung ohne Gefährdung des religiösen Zwecks ist hier das Ziel des neuen Abtes.
Letztlich betont Abt Wendelinus die dienende Rolle seines Amtes. Anpassungen und Reaktionen auf eine sich rasch ändernde Welt seien nötig, ohne den Kern des Evangeliums aus dem Blick zu verlieren.
Ein Termin für die feierliche Abtsbenediktion stehe noch nicht fest,
Bürgermeister Andreas Maldener wünschte dem neuen Abt für sein neues Amt Gottes Segen und viel Erfolg. „Mit dem neuen Abt Wendelinus setzt die Abtei auf Kontinuität. Natürlich war der plötzliche Tod von Abt Mauritius ein Schock und ein immenser Verlust. Ich bin aber überzeugt davon, dass Abt Wendelinus das Kloster in seinem Sinne weiterführen wird. Die Abtei Tholey mit ihrer imposanten Kirche ist für unsere Gemeinde weit mehr als nur ein historisches Bauwerk. Sie ist ein Ort der Stille, der Besinnung und des Glaubens, der Menschen seit Jahrhunderten Kraft und Orientierung schenkt. Zugleich ist es ein kulturelles Erbe von Weltrang, das unsere Geschichte lebendig hält und Besucher aus nah und fern anzieht. Das Kloster verbindet Spiritualität mit Gastfreundschaft und schafft Begegnungen, die unsere Gemeinde bereichern – sowohl im geistlichen als auch im touristischen Sinn. Ich freue mich daher sehr auf die Zusammenarbeit.“