Römerlehrweg "Via Vari" – Der Weg zur Geschichte

Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Die alten Römer haben aber auch in der Region rund um den Schaumberg viele Spuren hinterlassen. Der Römerlehrweg leitet den Wanderer rund um das Schaumbergplateau. Entlang der Strecke aufgebaute Schautafeln informieren über das Leben der Römer im Schaumberger Land und zeigen, dass römische Geschichte auch hier geschrieben wurde. Der Wanderer erfährt unter anderem etwas über die im Umfeld des Schaumbergs gelegene Siedlung Wareswald, die in römischer Zeit am Kreuzungspunkt zweier überregional bedeutsamer Verkehrswege zwischen Metz und Main sowie Straßburg und Trier lag.

Die Straßen der Römer

Wie auch heute bildeten die Straßen in römischer Zeit das Rückgrat der Infrastruktur. Sie beschleunigten und intensivierten den Austausch von Waren und Know-How, Soldaten transportierten neue Lebensvorstellungen und Religionen über weite Entfernungen. Es war eine ungeheure Kraftanstrengung, das Straßennetz derart dicht und meist in Stein ausgebaut auch in unserer Region zu errichten. Entlang der Verkehrsrouten entstanden zahlreiche Siedlungen, in denen Händler und Handwerker ihren Tätigkeiten nachgingen, und Raststationen, die den Reisenden sichere Unterkunft boten. Durch die Landschaft um den Schaumberg zogen sich einige bedeutende Straßenzüge, die Städte wie Trier, Metz und Mainz miteinander verbanden, auch die Gebäude auf dem Plateau konnten über einen gut ausgebauten Weg erreicht werden.

Römisches Bauhandwerk

Das Bauhandwerk der Römer war hoch entwickelt. Mit einfachen Mitteln vollbrachten ihre Baumeister erstaunliche Leistungen, vom Haus bis zum Aquädukt. Nach der Eroberung unserer Region entstanden auch hier beeindruckende Bauwerke aus Stein, mit Mörtel gefügt. Ein weiteres wichtiges Baumaterial war der Tonziegel, der nicht nur zur Abdichtung von Dächern benutzt wurde, sondern auch beim Bau der zahlreich in den Wohnhäusern vorhandenen Fußbodenheizungen zum Einsatz kam. Imposante Reste von Gebäuden in unserer Region finden sich an zahlreichen Plätzen, insbesondere in der ausgedehnten Siedlung im Wareswald und auch auf dem Plateau des Schaumbergs. An diesem prominenten Ort entstanden wohl Aussichtsposten, die zur Überwachung ihrer Straßen, die von den Römern ebenso konsequent ausgebaut worden waren, dienten.

Römische Höhenfestung

Die umfangreichen Grabungen, die während der Neugestaltung des Schaumbergplateaus durchgeführt worden waren, zeigten erstmals, dass das Areal bereits in römischer Zeit intensiv genutzt wurde. Besonders ein ausgedehnter Bau mit mächtigen Mauern verdient Aufmerksamkeit. Er belegt, dass der Platz bereits im 3. Jh. n. Chr bebaut war. Die Grundsteinlegung des Gebäudes fand im 1./2. Jh. n. Chr. statt. Der älteste Teil ist ein mindestens 19 m langer und 1,1 m starker Mauerzug aus Handquadern, der zu einem 12 m breiten Gebäude gehörte, gegen das kurz darauf mehrere gewölbte Keller gestellt wurden. Ein Münzfund belegt, dass diese Keller gegen Ende des 3. Jh. n. Chr. abgerissen wurden und das Gebäude durch eine Reihenbogenmauer verstärkt worden ist. Sehr ungewöhnlich und aus archäologischen Grabungen fast unbekannt, öffnen sich diese Bögen nicht nach innen, sondern nach außen. Das Gebäude wird als Höhenheiligtum gedeutet, welches später zu einem Befestigungsbauwerk wurde.

Badekultur

Nichts schätzten die Römer so sehr wie sauberes und gesundes Wasser. Schon sehr früh entstanden in Rom und anderen Städten Bäder von unterschiedlicher Größe, aber alle mit einem gewissen Komfort ausgestattet. Diese kulturelle Errungenschaft brachten die römischen Eroberer mit in alle Gebiete, die dem römischen Reich einverleibt wurden. Von England bis Nordafrika entstanden öffentliche Bäder. In beheizten und mit Wandmalerei, Mosaiken oder Marmor verzierten Räumen gab es Becken mit kaltem und warmem Wasser, Schwitzbäder, Massageräume und anderes mehr. Das notwendige Wasser wurde über teils kilometerlange Leitungen mittels Aquädukten oder unterirdisch durch lange Tunnel herbeigeschafft.

Aber auch private Bäder entstanden. Die vermögenden Großgrundbesitzer ließen sich in ihren prächtigen Villen große und luxuriös ausgestattete Badeanlagen errichten. Die Abteikirche am Fuße des Schaumbergs steht auf den Resten einer Badeanlage, die mit Frischwasser aus einem Sammelbecken am Berghang durch große abgedeckte Leitungen unterirdisch gespeist wurde. Ihr Abwasser wurde durch begehbare, 1,70 m hohe Leitungen ins Tal abgeleitet. Später wurden die Sarkophage der Äbte in den Wannen der Badeanlage untergebracht und diese als Krypta genutzt.
Die Größe der Badeanlage kann nicht exakt bestimmt werden, allerdings ist ein Grundriss von mindestens 30 x 30 m dokumentiert. Es bleibt der Forschung vorbehalten zu zeigen, ob die Badeanlage öffentlich oder privat genutzt wurde.

Religion

Die antiken Menschen verehrten viele verschiedene Götter. Man errichtete für sie zahlreiche Heiligtümer und brachte ihnen Opfer dar, verbunden mit der Erwartung, dass die Gottheit das Erbetene erfüllen würde. Im Wareswald bei Tholey hat man einen Tempel ausgegraben, der dem Gott Mars geweiht war. In der Region um den Schaumberg ist aber auch die Verehrung von Merkur, Jupiter und Juno durch Götterbilder belegt. Mit der Ausbreitung des Christentums änderte sich die religiöse Einstellung grundlegend.
Trier war früh ein christliches Zentrum und von dort strahlte die neue Religion auch bis in unsere Region. In Tholey ist die Annahme des Christentums schon früh bezeugt und findet ihren architektonischen Höhepunkt in der bis heute existierenden Abteikirche.