Jüdischer Friedhof in Theley

Zwischen Tholey und Theley liegt auf einer Anhöhe oberhalb des römischen Vicus Wareswald der alte Jüdische Friedhof als Erinnerungsort für die frühere jüdische Gemeinde in Tholey. Der vor dem Tor zum Friedhof als „Ort gegen das Vergessen“ angelegte Walter-Sendler-Platz erinnert mit einem Gedenkstein an die von den Nazis ermordeten Juden der Synagogengemeinde Tholey.

Zwischen Tholey und Theley liegt auf einer Anhöhe oberhalb des römischen Vicus Wareswald der alte Jüdische Friedhof als Denkmal für die frühere jüdische Gemeinde in Tholey. Deren Geschichte beginnt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nachdem sich 1729 die erste jüdische Familie in Tholey angesiedelt hatte, lebten hier um 1790 etwa zehn jüdische Familien. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt im Viehhandel, als Geldverleiher und später im Textilhandel. Um 1843 lebten knapp 90 Juden in Tholey. Wirtschaftliche Probleme führten Anfang der 1870er Jahre zu ersten Auswanderungen von wohlhabenderen Familien. Nachdem sich Synagogengemeinde 1916 aufgelöst hatte, wurde die 1863 geweihte Synagoge 1937 verkauft. Zur Zeit der Saarabstimmung im Januar 1935 mit dem Votum für die Wiedereingliederung des Saargebietes in das Deutsche Reich lebten noch etwa 40 Juden in Tholey.

Der Jüdische Friedhof in Tholey wurde vermutlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts, spätestens nach 1800 angelegt. Bis zur Deportation beziehungsweise Vertreibung der jüdischen Gemeinschaft aus Tholey in den 1930er Jahren wurde der Friedhof genutzt. Während der Kriegsjahre wurden hier auch 75 sowjetische Kriegsgefangene bestattet. Im Zuge der im September 1935 von den Nationalsozialisten erlassenen Nürnberger Gesetzte und der folgenden „Arisierung“ (Verdrängung von Juden aus Wirtschaft, Kultur und Öffentlichkeit) wurde auch der Jüdische Friedhof verwüstet. Mitte der 1950er Jahre wurde der ehemalige Jüdische Friedhof wieder hergerichtet.

Die Grabsteine

Über 20 unterschiedlich gestaltete Grabsteine bilden noch heute auf dem Jüdischen Friedhof. Einige Grabsteine stehen mit ihrem Fundament direkt im Boden. Wie es seit Anfang des 19. Jahrhunderts üblich war, stehen andere auf einem massiven Grabsteinsockel. Kleine Mäuerchen oder Eisengitter fassen manche Grabstätten ein.

Da ein jüdischer Friedhof kein Ort des Todes, sondern ein „Haus des ewigen Lebens“ ist, wird ein jüdisches Grab niemals aufgelöst. Der gesetzte Grabstein bleibt bestehen. Alte verwitterte, aus Sandstein gehauene Grabsteine werden Zeiten restauriert oder durch neue ersetzt. Meist wurde dabei auch eine Widmungsinschrift angebracht. Die äußere Form jüdischer Grabsteine folgt der Gestaltung nichtjüdischer Grabmale und spiegelt die bekannten Kunststile wie Gotik und Renaissance wider.

Alle Grabsteine sind nach Osten in Richtung Jerusalem, der aufgehenden Sonne entgegen ausgerichtet. Kleine, auf manchen Grabsteinen abgelegte Steinchen zeugen von dem jüdischen Brauch, beim Friedhofsbesuch einen Stein als Gedenkstein als Symbol für Beständigkeit und Unvergänglichkeit an der Grabstätte zu hinterlassen. Auf jüdischen Friedhöfen ist es nicht üblich, die Grabstellen mit vergänglichen Pflanzen wie Blumen oder Kränzen zu schmücken sondern zum Beispiel mit Bodendeckern.

Auf einem eigenen Gräberfeld niedergelegte massive Bodenplatten erinnern an die verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen.

 

Ort gegen das Vergessen

Ein vor dem Tor zum Jüdischen Friedhof auf einem kleinen Platz aufgestellter Gedenkstein erinnert an die Ermordeten der Synagogengemeinde Tholey - die Massendeportation der saarländischen Juden nach dem Lager Gurs in Südfrankreich am 22. Oktober 1940 betraf 14 Einwohner aus Tholey. Der Platz zählt zu den sieben  „Orten gegen das Vergessen“ im St. Wendeler Land. Weitere Gedenkplätze befinden sich in Baltersweiler, Gonnesweiler, Oberthal, Sötern und St. Wendel.

Die „Orte gegen das Vergessen“ sind kleine Plätze, die an die Geschichte jüdischer Bürgerinnen und Bürger im St. Wendeler Land erinnern sollen. Seit Jahrhunderten lebten sie in der Region und waren Teil des sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens. So fanden sich auch Schulen, Synagogen und Mikwen in der Region. Das jüdische Leben in der Region wurde durch die Nationalsozialisten ausgelöscht. Ein Mikwe (jüdisches Ritualbad) in Bosen und mehrere Friedhöfe wie der in Tholey sind die wenigen übriggebliebenen Zeugnisse. Die Plätze als „Orte gegen das Vergessen“ tragen die Namen von Personen, die Opfer der Verfolgung geworden sind.

Der neben dem Jüdischen Friedhof angelegte „Walter-Sender-Platz“ wurde nach dem 1885 in Tholey geborenen Juristen Dr. Walter Sender benannt. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges arbeitete er als Rechtsanwalt und begann seine politische Tätigkeit als Sozialdemokrat. Bereits 1925 warnte er vor dem Nationalsozialismus. Nach der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 flüchtete er mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Frankreich. Bis zum Kriegsausbruche konnte er in Paris arbeiten. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppe versteckte er sich in den Bergen Südfrankreichs. Nur so konnte er als Jude der Verfolgung durch deutsche und französische Faschisten entgehen. Dr. Walter Sender ließ nach 1945 den Gedenkstein für die Ermordeten der Synagogengemeinde Tholey errichten. Er starb am 19. August 1961 in Luzern.