Benediktinerabtei

Die Benediktinerabtei St. Mauritius Tholey gilt als eine der ältesten Klostergründungen auf deutschem Boden.
Wegen der laufenden Renovierung ist die Abteikirche in Tholey derzeit geschlossen. Die Wiedereröffnung ist geplant für Juni 2020.

Am Ort der heutigen Abtei wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. eine römische Badeanlage errichtet. Auf deren Reste erbaute der fränkische Diakon Grimo-Adalgisel Anfang des 7. Jahrhunderts eine Kirchenanlage, die er 634 dem Bischof von Verdun übereignete.

Um 750 wird die Kirche durch eine rechteckige Choranlage erweitert. Vermutlich beginnt um diese Zeit das benediktinische Klosterleben in Tholey. 1260 begann der Bau der heute bekannten, frühgotischen Abteikirche. Portal, der mächtige Westturm und einige Lichtgadenfenster wurden von der romanischen Bauanlage übernommen. Um 1302 ist das Bauwerk vollendet und dient als Abtei und Wallfahrtskirche.

Während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) wurde die Abtei von Brand und Plünderung heimgesucht.
Im Jahr 1487 trat die Abtei Tholey der Bursfelder Kongregation bei und erlebte eine Blütezeit, die 1794 durch Brandschatzung und Plünderung durch französische Revolutionstruppen ein Ende fand. Die Abtei wurde aufgehoben und 1798 wurden Kirche und Abteigebäude versteigert. 1806 erwarb ein Tholeyer Bürger die noch erhaltenen Gebäude und schenkte sie der Gemeinde als Pfarrkirche und Wohnung für den Pfarrer. Seitdem ist die Tholeyer Abteikirche zugleich auch die Pfarrkirche der Gemeinde Tholey.

Am 8. 12. 1949 wurde die Abtei durch Papst Pius XII. wiedererrichtet und neu besiedelt.
Sehenswert sind auch die barocke Oberlinger Orgel mit 43 Registern sowie das barocke Chorgestühl aus dem Jahr 1704.

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Kunst von Welt für die Tholeyer Abteikirche

Gerhard Richter gestaltet die neuen Chorfenster

Dass Gerhard Richter, der als bedeutendster zeitgenössischer Künstler gilt, die drei Fenster des Chores der altehrwürdigen Tholeyer Abteikirche gestalten wird, war bereits seit längerer Zeit bekannt.

Nun wurde das Geheimnis gelüftet, wie die neuen Fenster aussehen werden:

Im Rahmen eines Pressegesprächs enthüllten Abt Mauritius Choriol und Bruder Wendelinus Naumann die Entwürfe der Glaskunst. Unterstützt wurden sie dabei von Bernhard Leonardy, dem Leiter der Musikfestspiele Saar, der den Kontakt zwischen der Abtei und Gerhard Richter hergestellt hatte, sowie Katja Zukic, die Geschäftsführerin von „Gustav van Treeck – Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei GmbH“ in München, die die Werke von Gerhard Richter in Glasform „übersetzt“,

Dabei wurde einmal mehr deutlich, welcher Coup der Abtei geglückt ist:

Der mittlerweile 87-Jährige Richter, der in Köln lebt und dessen Werke weltweit zu Höchstpreisen gehandelt werden, hat bislang erst ein einziges Kirchenfenster entworfen. Dieses ist im Kölner Dom zu sehen. Es zählt seit seiner Entstehung vor etwa zwölf Jahren zu den bekanntesten Fenstern Deutschlands und wird international in einem Atemzug mit den Fenstern Marc Chagalls in der Kathedrale zu Metz genannt.

Seine Entwürfe für die Tholeyer Abtei stellt Gerhard Richter kostenlos zur Verfügung. Sie stammen aus seinem 2012 erschienen Buch „Patterns“ (Muster).

Die drei Tholeyer Kirchenfenster sind jeweils 1,95 auf 9,3 Meter groß.. Sie sind vom Künstler mit farbintensiven Bildern bespielt, zwischen den beiden blau-rot dominierten Fenstern wird das mittlere Fenster unter anderem mit gelben Malereien bezaubern. Jedes Fenster zeigt fünf unterschiedliche Motive, die sich vertikal sowie horizontal gespiegelt wiederholen und zu einem faszinierenden und detailreichen Gesamtwerk arrangiert sind.

Im Zuge der Renovierung der Abteikirche werden übrigens nicht nur die Chorfenster neu gestaltet:

Die Entwürfe der anderen Fenster stammen von der Künstlerin Mahbuba Elham Maqsoodi. Anders als bei den abstrakten Entwürfen Richters handelt es sich bei ihren Fenstern um figürliche Darstellungen biblischer Themen.

Zu sehen sein werden die Fenster nach Abschluss der Renovierungsarbeiten der Abteikirche.

Anvisierter Termin dafür ist laut Angaben von Abt Mauritius der Juni 2020.