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Wie Politik, Kultur und Religion eine Gesellschaft prägten – Beeindruckende Rede von Prof. Dr. Norbert Lammert in der Abteikirche

„Über das Eigentliche, die Kunst, kann man sowieso nicht reden.“ Mit diesem Zitat Gerhard Richters begann der ehemalige Bundestags-präsident Prof. Dr. Norbert Lammert in der vergangenen Woche seine Rede in der Abteikirche. Die Richterfenster hinter ihm wurden von der Abendsonne angestrahlt und tauchten das Kircheninnere in ein warmes Licht. Sie waren aber nur der Hintergrund für diesen Vortrag über Politik, Kultur und Religion.  Prof. Dr. Norbert Lammert setzte ganz auf die Kraft der Worte.

Die Abteikirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Bürgermeister Andreas Maldener die Besucher zu diesem besonderen Vortrag begrüßte. „Prof. Dr. Norbert Lammert hat sich als Politiker, aber auch als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, mit diesen Themenbereichen immer wieder auseinandergesetzt und genießt über alle Parteigrenzen hinweg größten Respekt und Anerkennung“, stellte er den Referenten vor. Der Veranstaltungsort Abteikirche war ganz bewusst gewählt, weil Lammert nicht nur ein Kenner des Werks von Gerhard Richter ist, sondern auch das bekannteste Gebet der Bibel in moderne Worte übersetzt hat.

In seinem äußerst dichten Vortrag hinterfragte Lammert die Aufgaben von Politik und Gesellschaft. „Die zentrale Aufgabe von Politik ist es, eine Gesellschaft zusammenzuhalten.“ Eine These, die angesichts der derzeitigen Krisen sehr kühn und aktuell ist. Eine multikulturelle Gesellschaft stellt die Politik vor große Herausforderungen. Dabei spielt die Kultur als Summe der Erfahrungen einer Gesellschaft eine große Rolle.. Das Grundgesetz spiegelt dies wider:  „Verfassungen sind kein Ersatz, sondern immer Ausdruck der Erfahrungen einer Gesellschaft, die ein Land mit sich selbst gemacht hat, der Überzeugungen, die aus diesen Erfahrungen entstanden sind.“ Nur so sei auch der erste Satz des Grundgesetzes  zu verstehen: Die Würde des Menschen ist unantastbar.  Die Rede Lammerts wurde umrahmt von der Interpretation des „Vatersunsers“ in der Übersetzung von Norbert Lammert und musikalisch umgesetzt von Stefan Haucke. Ein Projektchor, bestehend aus Jungem Chor und Vokalensemble St. Peter Theley sowie Sängerinnen und Sängern aus Chören der Gemeinde Tholey interpretierte das bekannteste Gebet der Bibel. Er wurde begleitet von Regionalkantor Sebastian Benetello an der Orgel, die musikalische Leitung hatte Dekanatskantor Thomas Martin. Ihre Interpretation wurde mit begeistertem Applaus belohnt.

Pater Wendelinus griff zum Abschluss der Veranstaltung nochmal die Bedeutung des „Vaterunsers“ auf: „ Viele Menschen heute wissen nicht mehr richtig wie sie beten sollen“. Norbert Lammerts Übersetzung gebe neue Impulse. Die Einladung Norbert Lammerts kam auf Initiative der gebürtigen Theleyer Literaturprofessorin Dr. Birgit Lermen zustande.

 

Fotos: Anton Didas