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„Die Arbeit war nicht umsonst“

Historischer Verein zur Erforschung des Schaumberger Landes stellt Familienbuch vor

Dass die Erstellung eines Familienbuches wohl zu den aufwendigsten und anspruchsvollsten Aufgaben der Heimatforschung zählt, gerät oft beim Durchblättern des fertigen Buchs in Vergessenheit. „Um diese jahrzehntelange Arbeit in einem ansprechenden Rahmen zu würdigen, habe ich heute die wichtigsten Protagonisten, die mit der Erarbeitung und Fertigstellung dieses imposanten Werks beteiligt waren, hier ins Tholeyer Rathaus eingeladen“, begrüßte Bürgermeister Hermann Josef Schmidt die anwesenden Vertreter des Historischen Vereins und ist bereits beim ersten Einblick in das rund 3 Kilogramm gewichtige Buch schwer beeindruckt.

Von einem „Mammutprojekt“ sprach Nico Leiss, Vorsitzender des Historischen Vereins, als er die Worte von Hermann Josef Schmidt aufnahm und die Fertigstellung dieser „Handreiche“, um Familienvorfahren zu finden, als „großen Tag für den Historischen Verein zur Erforschung des Schaumberger Landes“ betitelte.

Das Ortsfamilienbuch „Die Einwohner von Tholey, Band I: von den Anfängen bis 1806“ wurde von Kurt Theis mit abschließender Redaktion von Hermann Rau­ber in ehrenamtlicher Arbeit zusammengestellt. Es enthält über die im Ortsteil Tholey ansässigen Einwohner und Familien hinaus auch Angaben über diejenigen Personen, die von den Kirchenbüchern des Tholeyer Kirchspiels St. Johannes d. Täufer in Alsweiler, Bergweiler, Blasiusberg, Sotzweiler, Engscheider Hof, Schaumberger Hof, Wallesweiler Hof, Winterbach und Mockenbach bis zur Aufteilung der Pfarrei im Jahr 1806 erfasst wurden.

Die Informationen zu den Einwohnern beschränken sich dabei nicht nur auf die Personennamen mit Geburts-, Hochzeits- und Sterbe­daten sowie die Berufs­bezeichnungen, die aus den bis 1747 zurück­reichenden Kir­chen­büchern stammen. Zusätzlich wurden zahlreiche Quellen wie Notariats- und Gerichtsakten, Steuer- und Untertanenlisten sowie Einzel­urkunden und Verträge in Archiven in Tholey, Saarlouis, Saarbrücken, Trier, Koblenz, Metz, Nancy und München ausgewertet. Die sich daraus ergebende Vielzahl an Anmerkungen und Quellenangaben sind eine Fundgrube für alle heimischen Genealogen und Regionalhistoriker. Sie ermöglichen es jedem interessierten Familienforscher, die Wurzeln der eigenen Vorfahren bis ins 18. Jahrhundert und darüber hinaus zu ermitteln und ei­nen in­divi­du­el­len Stamm­baum zu er­­stel­len.

Kurt Theis, der über 80-jährige Autor des Familienbuchs, war mit Stolz erfüllt, dass seine Forschungsarbeiten, die bereits über 20 Jahre zurückliegen, endlich veröffentlicht werden können. „Die Arbeit war nicht umsonst“, gab er an und umschrieb, wie er anhand von Steuerlisten aus dem 17. Jahrhundert die Anfänge seiner Familienforschung betrieb. Ein Sonderlob erhielt er dabei von Nico Leiss, der das Familienbuch als „Lückenschluss der genealogischen Forschung in der Region“ bezeichnete.

Um die technische Umsetzung, die aufgrund der Datenmenge eine kniffelige und hochkomplexe Gestaltungsarbeit war, hatte sich Hermann Rauber gekümmert. Für sein Durchhaltevermögen und

sein qualitatives Arbeiten dankte ihm Nico Leiss ebenfalls sehr. Dr. Wolfgang Hasler und Carl Diether Heringer, die als Vorstandsmitglieder des Historischen Vereins zur Erforschung des Schaumberger Landes anwesend waren, lobten ebenfalls die Arbeiten von Kurt Theis und Hermann Rauber.

Bürgermeister Hermann Josef kann das Familienbuch allen an Vorfahren Interessierten wärmstens empfehlen, „weil es eine Lücke in der genealogischen Forschung schließt und aus diesem Grund eine Bereicherung für die Mitbürgerinnen und Mitbürgern Tholeys und darüber hinaus darstellt“. Seinen Dank richtete er abschließend an die beiden ehrenamtlichen Hauptprotagonisten Kurt Theis und Hermann Rauber, aber auch an die verantwortlichen Vorstandsmitglieder im Historischen Verein, die es mit ihrem Engagement immer wieder möglich machen, dass die Kulturgeschichte im Schaumberger Land aufrechterhalten wird.

 

Informationen:

Das Orts­familien­buch Tholey I wird durch mehrere Be­­­son­­derheiten ge­kenn­­zeichnet. Bedingt durch die weit im Mittelalter begin­nende Tradition der Abtei Tholey reichen die frühesten erfassten Daten bis in das ers­­te Jahrtausend zurück. Berücksichtigt werden da­­­rü­­ber hinaus nicht nur die übliche dörfliche Einwohner­schaft, sondern auch die zahlreichen, oft franzö­sischsprachigen und häufig wechselnden Beamten der lothringischen Verwaltung des Amtes Schaumburg, ebenso wie die Burggrafen, Burgmänner und Bediensteten auf der Schaumburg. Diese häufig von auswärts kommenden Personen er­ge­ben eine Fülle von Bezügen des Fa­milienbuchs Tholey zu anderen Ortschaften des Saar­landes und den an­grenzenden Regionen.

Darüber hinaus ha­ben die Namen und Daten der Patres, Brüder und Äbte der Abtei Tholey, die ebenfalls meist von auswärts kamen, sowie deren Bedienstete wie Knechte, Mägde, Metzger, Köche etc. Ein­gang in das Familienbuch Tholey I gefunden. Sie lassen die weitläufigen Bezieh­un­gen der Abtei Tholey zu ihren verstreuten Besitzungen in Loth­rin­gen, an der Mosel und bis zum Rhein deutlich werden.

Besondere Schwierigkeiten ergaben sich aus der langjährigen Zugehörigkeit zum lothringischen Amt Schaum­burg, da von der fran­zö­sisch­spra­chi­gen Verwaltung die Eigennamen oft verunklärt oder „übersetzt“ wurden. Ähn­li­che Schwierigkeiten bereitete die Verzeichnung der jüdischen Einwohner Tho­leys, da deren Bildung von Familien­namen eigenen Gesetz­mäßigkeiten unterlag.

Das Ortsfamilienbuch Tholey I umfasst 2.515 Datensätze zu 2.242 Familien­namen und ist damit eines der reichhaltigsten Familienbücher der Region. Es schließt eine lange klaffende Lücke in der genealogischen Forschung des Saarlandes und ist ein unerlässliches Basiswerk für jeden Familienforscher des Schaumberger Landes und darüber hinaus.

Der II. Band mit den Einwohnern der Pfarrei bzw. der Ortsgemeinde Tholey 1806 – 1910 ist in Arbeit.

 

Das von Kurt Theis verfasste Buch „Die Einwohner von Tholey, Band I: von den Anfängen bis 1806 mit Kirchspiel St. Johannes d. Täufer Alsweiler, Bergweiler, Sotzweiler und Winterbach“ ist für 55 Euro ab sofort erhältlich bei:

  • Museum Theulegium, Rathausplatz 6; 66636 Tholey, Tel. (06853) 50880, info@theulegium.de,
  • Hirsch-Apotheke Tholey, Metzer Str., Tel. (06853) 2203
  • Praxis Dr. Hasler, Tholey, Am Marktplatz, Tel. (06853) 4330
  • Tourist-Information der Gemeinde Tholey in der Römerallee 5, Tel. (06853) 508-66

Bild: v.l.n.r. Carl Diether Heringer, Hermann Rauber, Nico Leiss, Kurt Theis, Hermann Josef Schmidt, Dr. Wolfgang Hasler