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Exkursion „Geographie ohne Grenzen“: „Fünf Dörfer erfinden die Zukunft – Heimat im Wandel: Dorferneuerung im Bohnental“

Dass das Bohnental einen besonderen Charakter hat, wissen die alteingesessenen Einwohner längst. Damit das so bleibt, erfinden sich die Bohnentaldörfer immer wieder neu. Mit besonderen Aktionen werden jedes Jahr alle im Ort eingebunden. Das schafft ein besonderes Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl. Schon über so manche Auszeichnung durfte sich die Dorfgemeinschaft freuen. „Einer für alle, alle für einen“ – das Motto der Bohnentaler „Muske(l)tiere“ umschreibt bestens den Teamgeist, der durchs Bohnental weht.

Die fünf idyllisch im Bohnental gelegenen Dörfer sind eine kleine Welt für sich nicht nur mit Sucht- sondern auch mit Vorzeigecharakter. Das Umweltministerium, zuständig für die Entwicklung des ländlichen Raums, fördert die hier praktizierte Dorfentwicklung und empfiehlt sie den Gemeinden und Dörfern des Landes. Eine Exkursion des Vereins „Geographie ohne Grenzen“ führte am vergangenen Samstag unter dem Motto „Fünf Dörfer erfinden die Zukunft – Heimat im Wandel: Dorferneuerung im Bohnental“ in die idyllisch in einem Talkessel im Schaumberger Land gelegenen Ortschaften.

31 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten hochinteressiert den Ausführungen der Ortsvorsteher und von beteiligten Einwohnern. An fünf Stationen erfuhr die Gruppe mehr über das „Erfolgsrezepts“ der Bohnentaldörfer. In Überroth-Niederhofen ging es los. „In unseren Dörfern ist viel los. Gerade in der zurückliegenden Pandemiezeit war die lange gewachsene Nachbarschaftshilfe vielen ein wichtiger Anker. Die Menschen waren füreinander da. Dorfleben ist heute nicht mehr langweilig. Die Vereine sorgen dafür, dass hier viel los ist. Homeoffice ist dank einer guten digitalen Infrastruktur in allen Orten möglich“, warb Bürgermeister Hermann Josef Schmidt in seiner Begrüßung für das Leben auf dem Lande. Andrea Scholl, die stellvertretende Ortsvorsteherin, beleuchtete anhand einiger Beispiele überzeugend, warum die Dorfgemeinschaft so gut zusammensteht. Ob bei der Dorffastnacht, dem mit 50 bis 60 Wagen besonders großen Rosenmontagsumzug oder dem Dorffest, bei solchen Veranstaltungen feiern nicht nur alle mit, alle ziehen auch an einem Strang bei der Organisation. „Jung und Alt stehen nicht nur gemeinsam auf der Bühne. Sie arbeiten auch hinter den Kulissen Hand in Hand. Die Fastnachtskultur wird hier quasi mit der Muttermilch eingesaugt und an die nächste Generation weitergegeben“, lobt Andrea Scholl die Vereinsgemeinschaft ihres Dorfes. Eine Besonderheit des Überrother Rosenmontagsumzuges seien die vielen, die Wagen schmückenden Papierrosen. „Im November des Vorjahres sitzen im gesamten Ort Gruppen zusammen und basteln aus Papierservietten die Rosen für den Umzug“, verrät die stellvertretende Ortsvorsteherin nicht ohne Stolz.

Dr. Armin Kuphal sieht hier das Erfolgsrezept der Bohnentaldörfer: „Diese Aufgabe des Serviettenfaltens hat einen ernsten Hintergrund. Hier wir mit leichter Hand und mit einer einfachen Aufgabe Mitmachen gefördert. Mit diesem einfachen Trick entsteht viel Bindung an die Heimat.“ Kuphal begleitet als Soziologe wissenschaftlich das Bohnentalprojekt. „Eine Dorfgemeinschaft immer mit einem Verein der Vereine an. Oft ist es besser, viele machen wenig, als das wenige viel machen.“ Herbert Schug stellte die „Nussknacker“ vor. Die Koordinierungsgruppe für Dorfentwicklung kümmere sich um viele kleine Aufgaben, die die Politik nicht regeln könne. Er lobte aber auch die Gemeinde Tholey als wichtige Partner und kompetenten Ansprechpartner, etwa bei der Suche nach Fördertöpfen. „Als wir bei dem Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden mitmachten, war jeder Überrother in heller Aufregung und gespannt auf den Ausgang. Keiner, der nicht seinen Vorgarten hergerichtet hatte“, erinnert er sich an die Wettbewerbsphase. Dass die Kinder sich in Überroth heute auf einem naturnahen Erlebnisspielplatz austoben können, ist auch der funktionierenden Dorfgemeinschaft geschuldet. Viktor Schug stellte das ambitionierte Projekt vor. „Wir wollten ohne Plastik einen nachhaltig angelegten Platz schaffen. Nach einer ersten Bauphase, die wir mit etwa 60 Leuten gestemmt hatten, übergab die AG Spielplatz im Ortsrat den Staffelstab an Katja Kläser, die sich nun um die Weiterentwicklung kümmert“, so Viktor Schug. Das war im Sommer 2018, als sie mit Ehemann Markus und dem sechsjährigen Sohn Emil das Spielplatzprojekt übernahm. „Wir haben das übernommen, weil es was ist, das wir als Familie gemeinsam machen können. Vor kurzem haben wir aus alten Terrassenplatten eine Hüpfspiel angelegt“, berichtet Katja Kläser. Wenn sie neue Ideen für Spielobjekte hat, schätzt sie die kurzen Wege im Dorf und fragt in der Nachbarschaft nach ausgedientem Material. Die junge Lehrerin betreut das Projekt mit viel Herzblut: „Als gebürtige Überrotherin ist es mir wichtig, meinen Heimatort aktiv mitzugestalten und weiterzuentwickeln.“ Von Überroth-Niederhofen aus führte die Exkursion in die anderen vier Bohnentaldörfer. Die Teilnehmer lernten weitere die Dorfkultur fördernde Projekte wie die Bohnentaler Selbermacher und Muske(l)tiere, die Neipeler Theaterszene, das Dorfer Backhaus oder die Bohnentaler Selbstläufer von Scheuern kennen. „Wenn alle im Dorf zum Erfolg beitragen können, wenn der Erfolg geteilt wird und Konkurrenz in Kooperation umgebogen wird, dann gelingt Dorfgemeinschaft“, fasste Armin Kuphal das Erfolgsrezept der Bohnentaldörfer zusammen.

Info Bohnental:

Zum Bohnental gehören die Ortschaften Lindscheid, Neipel, Scheuern, Überroth-Niederhofen und Dorf im Bohnental. Vier der Orte gehören zur Gemeinde Tholey im Kreis St. Wendel, Dorf gehört zur Gemeinde Schmelz und damit zum Kreis Saarlouis. Einwohnerzahl insgesamt: 2.500.