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Ein Künstlerinnen-Leben zwischen den Kulturen

Mahbuba Maqsoodi stellte in der Heldenrechhalle Sotzweiler ihre Autobiografie vor.

Eine Woche lang feierte die Abteikirche Tholey die Wiedereröffnung. Im Mittelpunkt dieser Feierlichkeiten standen das Gotteshaus, aber auch der Kunstraum, der während der zweijährigen Renovierung entstanden sind. Zwei Namen spielten dabei eine besondere Rolle, der eine ist Gerhard Richter, der zur Zeit  bedeutendste deutsche Künstler, der drei Chorfenster gestaltet hat. Der andere, Mahabuba Maqsoodi, eine afghanische Künstlerin, die 34 Fenster im Kirchenschiff mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament entworfen hat. Während Richter seine Fenster in Tholey noch nicht selbst gesehen hat, nahm Mahbuba Maqsoodi eine Woche lang an den Eröffnungsfeierlichkeiten teil. Auf Einladung der Gemeinde Tholey stellte sie in der Heldenrechhalle Sotzweiler ihre Autobiografie vor.

Gemeinsam mit ihrer Übersetzerin und Freundin Hanne Diederichs las und erzählte sie aus ihrem Leben.

Wegen der Corona-Pandemie waren die Sitzplätze begrenzt und aufgrund der Abstandsregelung großzügig im Raum verteilt. Trotzdem gelang es den beiden Autorinnen, unterstützt und geleitet vom Moderator Arno Jos Graf, die Zuhörer zu fesseln. In einer Szenischen Lesung stellten sie die verschiedenen Lebensabschnitte von Mahbuba Maqsoodi vor – die Kindheit in Afghanistan, das Studium in Leningrad und das Exil in Deutschland, wo die Familie schließlich eine neue Heimat fand.

Auch ihr Weg zur Glaskunst bis zur Gestaltung von Kirchenfenstern war Thema.

Mahbuba Maqsoodi beeindruckte die Zuhörer mit ihrer offenen Art. „Ich bin sozusagen in drei Kulturen zu Hause“. Die Kindheit in Herat war die Basis. „Die habe ich in mir.“ Dort entdeckte sie ihr Gespür für Licht und Farben. Und wenn sie nun für die Fenster von Tholey Szenen aus der Bibel oder der Kirchengeschichte darstellt, arbeitet sich Maqsoodi in die Thematik ein, in Gesprächen, mit Literatur. „Die Bibel, sie ist mir nicht fremd“, sagt sie. Schon die Großmütter hätten ihr von den Propheten des Alten Testaments berichtet. „Wir kennen das ja auch das in unseren Erzählungen. Nur wird das nicht bildlich dargestellt.“

„Ich bin beeindruckt von dieser Frau, die diese wunderbaren Fenster gestaltet hat, aber auch von ihrer Persönlichkeit“, urteilt Wolfgang Recktenwald, Beigeordneter der Gemeinde Tholey, der sich bei Mahbuba Maqsoodi und Hanne Diederichs mit einem Blumenstrauß bedankte.

Bürgermeister Hermann Josef Schmidt konnte an der Lesung selbst nicht teilnehmen, lud die Autorin aber zu einem Gespräch ein. „Ich wollte die Künstlerin näher kennenlernen, die mit ihren Fenstern so viele Menschen begeistert – eine tolle Frau!“

Biographie im Rathaus erhältlich

Die Biographie von Mahbuba Maqsoodi mit dem Titel „Der Tropfen weiß nichts vom Meer“ ist erhältlich im Bürgerservicezentrum des Tholeyer Rathauses.

Sie kostet 19,99 Euro.

Bilder: Anton Didas