Der Sauna Vicus öffnet am 1. Oktober. Das Erlebnisbad Schaumberg bleibt auch weiterhin (vorerst) geöffnet.
17. September 2020
Eröffnungen der Abtei
20. September 2020

Weltkunst in Tholey: Fenster von Gerhard Richter vorgestellt

Im Jahr 2008 war die Abtei Tholey in einer spirituellen, personellen und wirtschaftlichen Krise. Dank der Stifterfamilie Meiser konnte die wirtschaftliche Krise überwunden und eine Zukunft der Abtei mit neu gestaltetem Klostergarten, renoviertem Kirchturm und einer von Grund auf sanierten Abteikirche gestaltet werden. Die Zukunft der einzigen Abtei im Saarland ist gesichert – und scheint grenzenlos. Die Ankündigung, dass Gerhard Richter als bedeutendster lebender Künstler der Welt die Fenster stiftet, hat internationales Interesse ausgelöst. Nach zwei Jahren Wartezeit enden nun die Arbeiten zum Einbau der drei großen Chorfenster mit jeweils 9,30 auf 1,95 Metern Größe und die Abteikirche wird wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Abtei Tholey ist 634 n. Chr. urkundlich erstmals erwähnt und damit das älteste Kloster Deutschlands.
Abt Mauritius Choriol OSB (Ordo Sancti Benedicti):
„Was wir in Tholey erleben dürfen, kann kein Zufall oder Glück sein. Es ist eine Gnade, eine Fügung Gottes.“
„Die Künstlerin Maqsoodi und den Künstler Richter in der Kirche zusammenzubringen, war ein Wagnis – aber mit dem Resultat: Alle Farben finden sich wieder. In der Kirche strahlt Harmonie. Jede Tageszeit hat einen anderen Lichtcharakter. Man entdeckt in den Fenstern immer wieder etwas Neues. Die Fenster bestehen aus einer Komposition und Dekomposition.“
„Diese Fenster werden den Hintergrund für die ganze Liturgie darstellen. Ich finde es wunderbar, dass das letzte Geheimnis, also das Gottesgeheimnis, das letzte Mysterium nicht figürlich dargestellt wird. Denn es ist zutiefst christlich, dass wir in diesem Leben kein Bild von Gott haben.“
„Gerhard Richter wollte immer, dass die Menschen sich selbst überlegen, was sie in seinen Werken sehen. Wir denken theologisch und für uns ist es wunderbar, dass das Mysterium Gottes im Verborgenen bleibt. Wir wollten ganz bewusst nicht Gott als alten Mann mit grauen Haaren und langem Bart zeigen. Gott ist der, der in
undurchdringlichem Lichte wohnt. Gott ist ein Höchstes, über das nichts mehr Höheres zu denken ist.“
„Hätte man Goethe nach seinem wichtigsten Werk gefragt, hätte er sicherlich die Farbenlehre genannt. Darin sind die Einheit und Vielfalt von Farben zu finden. Genau das finden wir auch in den Fenstern von Gerhard Richter.“
„Für uns sind diese Fenster eine große Chance, mit den Menschen wieder ins Gespräch über die Transzendenz zu kommen. Wir können den Menschen unseren Kontext erläutern. Wir haben die Möglichkeit auf einen Dialog in Zeiten, in denen die Kirche an Bedeutung verliert.“
„Glaube ist immer Unwissenheit und Vertrauen. Die Vernunft kann den Glauben nicht erklären. Der Herr sprach zu Abraham: Geh fort aus deinem Land. Aber er sagte nicht, wohin. Er sollte Vertrauen. Gerhard Richter sagte selbst, er sei ein Suchender. Wir beten auch dafür, dass die Menschen wieder den Schritt zum Glauben wagen.“
„Wir hoffen, dass wir vielen Menschen unseren Glauben zeigen können und dass sie nachdenken in einer Welt, in der sie immer schneller gehen.“
„Kirche wusste über Jahrhunderte Architektur, Malerei und Musik in ihre Verkündigung einzubauen. All dies hilft dem Menschen neben der Verkündigung in Wort und Tat eine Ahnung der Vollkommenheit zu erlangen.“
„Wenn Sie im Diskurs mit anderen Religionen, anderen Konfessionen oder Atheisten die Frage nach der Vorstellung von Gott stellen, vielleicht auch nur als Hypothese, so wird man sich doch darauf einigen können: Wenn es so etwas wie Gott gibt, wäre es die höchste Harmonie, die höchste Perfektion, etwas Absolutes. Und das findet sich in dem Fenster durch Musik, Form und Farbe wieder.“
„Wenn ich irgendwann diese Welt verlassen muss, um an den Tisch des Herrn eingeladen zu werden, werde ich ihn vielleicht treuherzig fragen dürfen, ob ich in Ewigkeit das Licht seiner Transzendenz sehen darf und er wird antworten: ‚Siehe durch diese Fenster!‘“
Hintergrund:
Die Abtei Tholey ist das älteste Kloster Deutschlands und wurde 634 n.Chr. erstmals urkundlich erwähnt. Derzeit leben in Tholey 12 Mönche aus fünf Nationen im Alter zwischen 24 und 75 Jahren. Die Abteikirche zählt zu den ältesten gotischen Kirchen Deutschlands und gilt als die einzige Kirche Europas, in der in diesem Jahrtausend alle 37 Fenster neugestaltet worden sind. 34 stammen aus der Feder von Mahbuba Maqsoodi, einer afghanischen Künstlerin muslimischen Glaubens, sowie drei von Gerhard Richter, dem bedeutendsten lebenden Künstler der Welt. Zur Wiedereröffnung
der Abteikirche sind die Fenster von Gerhard Richter komplett eingebaut. Von den restlichen 34 fehlen dann nur noch die Fenster im Südteil, die bis Ostern fertiggestellt werden. Der Ortsteil Tholey der Gemeinde Tholey zählt 2.500 Einwohner.
Die Klosteranlage ist ab Oktober wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet – und zwar von Mittwoch bis Montag zwischen 10 und 17 Uhr (Dienstag: Ruhetag). Der Eingang erfolgt über das neue Besucherzentrum in der Römerallee 5. Dort ist neben einer Ausstellung auch der Klosterladen zu finden, in dem Produkte aus der Region angeboten werden; darunter auch Honig, Marmelade und Obstbrände aus der Abtei selbst, das neue Tholeyer Abteibräu und der Abtei-Wein.

Mehr Infos unter www.abtei-tholey.de