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Klimawandel, Pilzerkrankungen oder Borkenkäfer setzen dem Wald mächtig zu Harte Zeiten für Fichte und Esche

In seiner letzten Sitzung hat der Gemeinderat dem Forstwirtschaftsplan für das Rechnungsjahr 2020 zugestimmt.

Den Einnahmen in Höhe von rund 122.000 Euro stehen darin Ausgaben in Höhe von rund 144.500 € entgegen. Dies bedeutet ein Minus von rund 22.500 Euro. Dass die Gemeinde Tholey damit erstmals keinen Gewinn mit ihrer Waldwirtschaft erzieht, liegt allerdings keinesfalls an Misswirtschaft, sondern hat seine Ursache in den veränderten Bedingungen, denen die Wälder in den zurückliegenden Jahren ausgesetzt sind.

Davon konnten sich Bürgermeister Hermann Josef Schmidt, Mitglieder des Gemeinderates und Ortsvorsteher bei einer Waldbegehung mit Revierförster Bernhard Paul selbst ein Bild machen.

Erste Station war dabei der Schaumberg. Dort ging Bernhard Paul auf eine Problematik ein, die nur eine bestimmte Baumart betrifft: Das Eschentriebsterben. Befallen davon werden – wie der Name schon vermuten lässt – nur Eschen. Wie der Förster erklärte, handelt sich beim Eschentriebsterben um eine Pilzerkrankung, gegen die noch kein Kraut gewachsen ist.   Sie hat sich in den vergangenen Jahren rasant ausgebreitet und bedroht die Eschen in Europa. Verursacht wird das Eschentriebsterben durch einen vermutlich aus Ostasien eingeschleppten Pilz. Die Pilzsporen infizieren die Blätter der Bäume, von wo der Erreger in die Triebe vordringt und diese zum Absterben bringt. Für betroffene Bäume gibt es laut Förster keine Rettung. Sie müssen oftmals gefällt werden, da von ihnen durch herabstürzende Äste eine Gefahr für Leib und Leben von Menschen ausgehen kann.

Dieses Schicksal ereilte im Gemeindegebiet schon etliche Eschen, u.a. auch auf dem Schaumberg. Da es gegen das Eschentriebsterben noch keine wirkungsvollen Maßnahmen gibt, ist die Existenz der Esche als wertvolle Baumart bedroht. Gleiches gilt auch für die Fichte, wie Bernhard Paul nahe der Johann-Adams-Mühle in einem betroffenen Waldstück aufzeigte:

Was dieser Baumart besonders zusetzt, ist der voranschreitende Klimawandel und die damit einhergehende extreme Hitze im Sommer. Diese führt nämlich zu einer sprunghaften Vermehrung des Borkenkäfers. Betroffene Bäume müssen umgehend gefällt werden. Wie Bernhard Paul den Kommunalpolitikern erklärte, haben sich in den zurückliegenden heißen Sommern bei uns die verschiedenen Borkenkäferarten, v.a. aber der Buchdrucker, extrem vermehrt (s. Infokasten). Seit 2018 mussten darum sehr viele Fichten, die wegen Käferbefall abgestorben waren, geerntet werden.

Dazu hatte der Förster auch konkrete Zahlen parat: Während im Jahr 2018 im Gemeindewald Tholey bereits 1060 Kubikmeter Käferholz eingeschlagen werden mussten, waren es 2019 schon 1966 Kubikmeter. „Im Januar 2020 sind bereits 524 Kubikmeter Käferholz geerntet. Weitere ca. 1.600 Kubikmeter müssen noch gehauen werden. Wenn diese Massen geerntet sind, ist bereits im Frühjahr 2020 der für das Jahrzehnt 2015-2024 vorgesehene Fichteneinschlag erfüllt“, so der Förster. Da solche Probleme natürlich nicht nur im Schaumberger Land auftreten, hat dies Folgen für den Holzmarkt: Die Preise für das erwirtschaftete Holz sind im Keller – mit den oben erwähnten Folgen für den Forstwirtschaftsplan der Gemeinde.

Da mit einem Rückgang des Käferbestandes in absehbarer Zeit nicht zu rechnen sei, müsse mit weiteren starken Verlusten von Fichtenflächen gerechnet werden. „Buchdrucker fliegen ab etwa 16 Grad Lufttemperatur. Darum müssen wir ab April, spätestens Mai, mit Neubefall rechnen. Ein nass-kühler Witterungsverlauf würde die Vermehrung und Entwicklung der Jungkäfer verzögern und wäre für unseren Wald optimal. Sollten weitere Extremsommer folgen, mit denen aufgrund des Klimawandels zu rechnen ist, wird die Baumart Fichte in unseren Wäldern aber weitestgehend verschwinden“, prognostiziert Bernhard Paul.

Info „Buchdrucker“:

Ein Weibchen des Käfers legt etwa 60 Eier in einem Brutbild (davon wieder 30 weiblich).
In der 1. Generation legen diese 30 Weibchen wieder 60 Eier. Jetzt sind bereits 1.800 Käfer vorhanden. Zusätzlich legt das „Ursprungs“-Weibchen ein weiteres Brutbild an (60 Eier).
In der 2. Folgegeneration legen diese 930 Weibchen 55.800 Eier. Zusätzlich sind aus den Weibchen der ersten Brut 30 Mal 60 neue Käfer entstanden und die 900 Weibchen der 1. Generation haben wieder je 60 Jungkäfer produziert. In der dritten Generation können somit über 100.000 Käfer aus einem Weibchen entstanden sein. Bei entsprechender Witterung (2018 und 2019!) werden diese 3 Generationen in einem Jahr angelegt und können sich fertig entwickeln. In 2018 wurde lokal sogar eine 4. Generation angelegt, die sich aber nicht fertig entwickeln konnte.

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