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Vicus Wareswald: Archäologischer Sensationsfund

Der Traum eines jeden Archäologen ist für Dr. Klaus-Peter Henz in Erfüllung gegangen. Auf einem neu erschlossenen Grabungsfeld im gallo-römischen Vicus Wareswald erblickte eine verschüttete Sandsteinskulptur nach geschätzten 1.800 Jahren wieder das Tageslicht. „Nachdem ein Bagger erste Flächen freigeschaufelt hatte, stießen wir auf eine etwa 14 Meter parallel zur Straße verlaufende Mauer“, so Klaus-Peter Henz. Der Archäologe ist Projektleiter der Grabungen im Wareswald. In einer Ecke zwischen dem frei geschaufelten Mauerwerk stieß die ehrenamtliche Grabungshelferin Anke Kannengießer auf die Sandsteinskulptur.

Aufgrund des Füllhorns, das die Figur in ihrem linken Arm hält, erkannte Klaus-Peter Henz schnell die Darstellung der römischen Gottheit „Fortuna“. Der linke Unterarm sowie der Kopf sind nicht vorhanden. „Die Bruchstellen sind sauber. Wir hoffen diese Teile im Erdreich nahe der Fundstelle zu finden“, so der Archäologe. Ohne Kopf misst die stehende Figur eine Höhe von 35 Zentimeter. Die Vorderseite der Figur lässt ein anmutig gestaltetes Gewand mit Faltenwurf erkennen. Auch die Früchte des Füllhorns haben die Zeit gut überstanden. Die Skulptur ist auf Frontalansicht angelegt. Die reduziert flach gestaltete Rückseite lässt ihren Standort vor einer Wand, vielleicht eines römischen Hausaltares (Lararium) oder in einer Nische an einem Brunnen vermuten. Aufgrund der stilistischen Gestaltung wagt der Archäologe eine vorläufige Datierung ins zweite Jahrhundert. Mittlerweile befindet sich der Fund im Landesdenkmalamt in Landsweiler-Reden an. Dort ist Restauratorin Nicole Kasparek dabei, die Figur sichten, nach einer Autopsie zu reinigen, zu vermessen und auf Farbreste hin zu untersuchen. Anschließend wird Grabungshelferin Carmen Keßler die Figur zeichnen. In der Zwischenzeit werden die Archäologen im Wareswald ihre Forschungsgrabung fortsetzen. „Wir können heute noch nicht sagen, ob die Mauerfragmente unseres neuen Grabungsfeldes auf eine private Villa eines vermögenden Römers zurückzuführen sind oder auf ein öffentliches Gebäude“, erklärt Klaus-Peter Henz. An einer Stelle fanden die Archäologen Fragmente von Treppenstufen sowie zwei pyramidenförmige Sandsteinstümpfe, die eine Art Durchgangsbereich zu einem Park vermuten lassen. Das umliegende Landschaftsidyll macht diese These nachvollziehbar. Die Gemeinde Tholey habe bereits signalisiert, dass die Archäologen den Gemeindeboden, auf dem sich das Grabungsfeld befindet, längerfristig nutzen könnten.

Info:

Der Vicus Wareswald entstand vor 2.000 Jahren am Kreuzungspunkt der zu römischer Zeit überregional bedeutsamen Straßen zwischen Metz und Mainz einerseits und Straßburg und Trier andererseits. Viele Menschen, vor allem Reisende und Händler, benutzten die zumeist vom Militär angelegten Wege. Die dadurch hervorgerufene Nachfrage nach Unterkunft und Verpflegung, aber auch nach Gütern des täglichen Bedarfs veranlasste Händler und Handwerker sich an der Stelle des heutigen Wareswaldes niederzulassen. Es setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, der die Siedlung zu einer stattlichen Größe von mehreren Hektar besiedelter Fläche wachsen ließ. Um das Jahr 400 wurde der Vicus verlassen. Der Platz ist seither nicht mehr besiedelt, wird aber von der Terrex gGmbH wissenschaftlich erforscht.