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Das Hofgut Imsbach im Wandel der Zeit Wanderung durch die bewegte 700-jährige Geschichte des Hofgutes

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Auf Einladung der Gemeinde Tholey trafen sich am vergangenen Samstag an der Geschichte ihrer Heimat interessierte Wanderfreunde zu einer ca. 8,5 km langen Informationstour um und durch den heutigen Landschaftspark des Hofgutes Imsbach. Mit Wanderführer Klaus Linnenbach startete im Innenhof des heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäude-Ensembles die auf drei Stunden komprimierte Zeitreise vom Hochmittelalter bis heute. Seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung zu Beginn des 14. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts stand das Hofgut fast 500 Jahre unter der durch den Amtmann des Amtes Schaumburg ausgeübten lothringischen Verwaltung. Die in diesem Kontext mit knapp 40 Jahren relativ kurzzeitige Besitzergreifung durch Frankreich, brachte für das Hofgut im Jahr 1812 dennoch ein Ereignis, das seine Zukunft prägen sollte: Kaiser Napoleon schenkte es seinem verdienten Reiteroberst Charles Louis Narcisse Lapointe. Er und seine familiären Nachfolger, die mit ihm in der Gruft der Gutskapelle beigesetzt sind,  verwalteten das Hofgut bis 1929, bauten es  aus und verhalfen ihm zur Blüte. Gerne erinnert man sich insbesondere in der Theleyer Bevölkerung noch an sie, und ihr Familienwappen ziert noch heute den Gebäudekomplex. Nach dem Sieg über  Napoleon wurde in der Schlussakte des Wiener Kongresses, durch einen verwaltungstechnischen Fehler begünstigt, das Hofgut Imsbach ab dem Jahr 1817 als Teil des Fürstentums Birkenfeld dem Herzog von Oldenburg zugesprochen, zu dem es 120 Jahre lang gehören sollte. Nach den Lapointes sollte das Hofgut noch mehrmals zwischen privatem und staatlichem Besitz sowie die Art seiner Nutzung wechseln. Anlässlich der Gebiets- und Verwaltungsreform im Jahr 1974 kam das Hofgut wieder zurück zu Theley. Noch heute markieren zahlreiche Grenzsteine die ehemalige Grenze der oldenburgischen Imsbach zur preußischen Rheinprovinz, deren südlicher Verlauf zwischen 1920 und 1935 auch die Grenze zwischen dem Saargebiet und dem Deutschen Reich bildete. Sehr detailliert erklärte Wanderführer Linnenbach die individuell unterschiedlichen Buchstaben, Zahlen und Markierungen auf diesen Zeitzeugen unserer Heimatgeschichte.

Neben der Landwirtschaft sollte über viele Jahrhunderte auch der Bodenschatz „Rötel“, nach dem in den Wäldern des nach ihm benannten Rötelwaldes gegraben wurde, zum Leben und Überleben der Bewohner der nahegelegenen Dörfer beitragen. In mühsamer Arbeit der Rötelgräber wurde das begehrte rote Ton-/Eisenoxyd-Gemisch im Tagebau aus den noch heute zahlreich zu erkennenden Rötelkaulen an die Oberfläche geholt. Hier wurde es getrocknet, verarbeitet und von Rötelhändlern und -krämern als Farb- und wasserabweisendender Stoff an Schreiner und Schiffsbesitzer weit über die Landesgrenze hinaus verkauft.

Am Bruderborn, der zweiadrigen Quelle des dem Hofgut seinen Namen „Imsbach“ gebenden Bachlauf, erklärte der Wanderführer die vermutlich indogermanische Herkunft des Bachnamens sowie die Geschichte des Benediktiner-Bruders Sebastian Jensen, einst Eremit in Selbach,  dem der „Bruderborn“ wahrscheinlich seinen Namen verdankt.

Beim Austritt aus dem „Kathreinenwald“ nutzte Klaus Linnenbach die prächtige Aussicht auf einen Großteil des Landschaftsparks mit dem dahinter aufragenden Schaumberg, um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Grundprinzipien der aktuellen Nutzung und Gestaltung des Landschaftsparks Imsbach näher zu bringen. In erster Linie wollen die derzeitigen Träger das Schöne mit dem Nützlichen verbinden, d.h. Elemente der Park- und Gartengestaltung sollen mit der Land- und Weidewirtschaft als Rückgrat der Flächennutzung ein ästhetisches Gesamtensemble bilden. Alle Mitwanderer waren sich an dieser Stelle staunend und bewundernd einig, dass diese planerischen Vorgaben bisher bestens umgesetzt wurden. Am Ende einer kurzweiligen Wanderung durch eine traumhaft schöne Frühsommerlandschaft fand die Veranstaltung dankenswerterweise bei den Fischerfreunden Theley einen erfrischenden Abschluss.

(Text und Foto: Klaus Linnenbach)