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Überroth-Niederhofen

1000 Jahre Dorfgeschichte im Dunkeln

Die ersten Menschen ließen sich vor über 2000 Jahren in Überroth nieder. Ein genaues Geburtsdatum gibt es jedoch nicht, die Siedlungsgeschichte des Ortes weist Lücken auf. Es ist anzunehmen, dass die beiden Siedlungen Überroth und Niederhofen als Rodungen im Talschluss des Wurzelbaches entstanden sind. Das zuerst nur Rodt genannte Überroth jedoch etwas früher als Niederhofen. Erst nach der Entstehung von Niederhofen wäre dieses Rodt dann das obere Rodt (“Überroth“) genannt worden. Manche Quellen berichten, dass das Dorf nach dem dreißigjährigen Krieg, also etwa Mitte des 17. Jahrhunderts, gegründet worden ist. Die ältesten Bauten hätten an der Straße nach Mettnich gestanden. Die Schulkronik schildert Überlieferungen die mit großer Wahrscheinlichkeit den Tatsachen der Entwicklung des Dorfes entsprechen. Die Forschung könnte vielleicht eines Tages noch weitere Einzelheiten ans Tageslicht fördern. Derzeit liegen nahezu 1000 Jahre Dorfgeschichte noch völlig im Dunkeln. Tatsache ist, dass Niederhofen mit anderen Gemeinden in den Jahren 1237/38 den Grafen von Blieskastel gehörte. Da diese keine direkten Erben hatten, kam Niederhofen zum Herzogtum Lothringen, das seit dem Jahr 925 zum deutschen Reich gehörte. Dort blieb das Dorf dann bis 1738. In diesem Jahr wurden die lothringischen Dörfer am Schaumberg dem Polenkönig Stanislaus Leczinski zugeschrieben. Niederhofen war bis zum Jahr 1766 unter polnischer Herrschaft dann fiel das Gebiet an Frankreich und gehörte ab 1787 schließlich zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken.

In Roth besaßen die Herren Vogt von Hunolstein im 16. Jahrhundert gewisse Rechte. Roth gehörte bereits im 17. Jahrhundert zur Herrschaft Dagstuhl, während die Herren Braun von Schmidtberg um 1690 das zum lothringischen Amt Schaumburg gehörende Niederhofen als lothringisches Lehen besaßen. Aus dem Jahre 1791 überliefert die Geschichte: Niederhofen liegt nahe der Dagstuhlichen Grenze und hat mit dem Ort Überroth einen gemeinschaftlichen Bann in dem Verhältnis, dass ungefähr zwei Siebtel auf Schaumburgischem und fünf Siebtel einschließlich der gemeinschaftlichen Waldungen auf Dagstuhlischen Gebiet gelegen sind. Die Bürgermeisterei Tholey gehörte seit ihrer Gründung im Jahr 1816 ununterbrochen zum Kreis Ottweiler. Offentsichtlich gab es nie ein Bedürfnis bei den Gemeinden, aus diesem Bereich auszuscheren. Doch setzte nach dem Ersten Weltkrieg eine starke Werbung der Stadt St.Wendel um die Gemeinden rund um den Schaumberg ein, also auch um Überroth-Niederhofen. Durch ein Militäredikt, im Jahre 1946 erlassen, wurde schließlich die Eingliederung in den Landkreis St.Wendel vollzogen. Das Dorfleben nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich nur unter erschwerten Bedingungen. Es fehlte an Lebensmitteln an Kleidung, an Hausrat und an Möbeln. Es wurde schließlich ein Bürgermeister eingesetzt, der einen Gemeinderat, der aus Bergleuten und Landwirten bestand, gründete. Um die Dorfkapelle am Hang des Reiserfelds entstanden in den letzten Jahren in mehreren Siedlungsabschnitten neue Häuser. Die Kapelle wurde Mitte der dreißiger Jahre als Kriegergedächtniskapelle errichtet.

Auf diese würdige Stätte der Gottesverehrung sind die Dorfbewohner sehr stolz. Damit sie den Status einer Filialkirche erhielt, wurde sie in das Eigentum der Pfarrei Scheuern überführt. Nach Abschluss umfassen der Renovierungsarbeiten weihte Weihbischof Alfred Kleinermeilert im Januar 1987 einen neuen Altar ein. Im Jahr 1902 schließlich fand die "Umpfarrung" von Hasborn nach Scheuern statt. Vor allem die älteren Einwohner erinnern sich noch an so manchen Volksbrauch. So wurde früher beim Tod eines Mitbürgers drei Abende lang der Rosenkranz am Sarg im Sterbehaus gebetet. Am Beerdigungstag kam der Geistliche vor das Haus, wo der Leichnam auf Stühlen aufgebahrt war. Dort wurde die Leiche eingesegnet, auf den mit Pferden bespannten Kastenwagen geschoben und in einer feierlichen Prozession zum Sterbeamt und zum Friedhof geleitet. Hausschlachtungen waren auch in Überroth-Niederhofen noch vor 40 Jahren selbstverständlich. Sie gehörten bis dahin zu den wesentlichen Maßnahmen der Selbstversorgung. Bei kälter werdendem Wetter begann der "Schlachter" sein Werk. Das Blut des Tieres war die Grundlage für die Hausmacherwurst. Das tote Schwein wurde in der "Muhl" in heißem Wasser von den Borsten befreit und an einer Leiter aufgehängt. Die Innereien wurden verwertet, sobald der Fleischbeschauer dem geschlachteten Schwein seinen Stempel auf gedrückt hatte.
Ein Ereignis darf auf unserem geschichtlichen Rundgang durch den Ort jedoch keinesfalls vergessen werden: die im Jahre 1969 besiegelte Partnerschaft mit der Gemeinde Sibratsgfäll im Vorarlberger Land in Österreich. Seither ist es hüben wie auch drüben zu mehreren Begegnungen der Bürger aus den beiden Partner-Gemeinden gekommen.

 

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