Lindscheid
Die erste Silbe des Ortsnamens wird nach der Linde gedeutet, die zweite Silbe kommt vom althochdeutschen "scheit" und bedeutet Grenze. Es ist somit anzunehmen, dass der Ort an einer Grenze, die durch einen Lindenbaum markiert war, entstanden ist. Die Flachsblüte im Wappen weist darauf hin, dass bis 1895 auf den Feldern der Gemarkung Flachs und Hanf angebaut wurde. Zur Bearbeitung dieser Pflanzen stand damals in fast jedem Haus ein Webstuhl. Wenn man auch nicht allzu viel weiß über die Vergangenheit des Dorfes, so wurde doch überliefert, dass die Bewohner früher arm waren, dass sie stets viel arbeiten mussten und oft unterdrückt wurden. Wenn dann noch Zeiten mit Krieg, Pest und Hunger hereinbrachen, war die Armut besonders groß, aber immer wieder sannen sie auf Auswege aus der Not. So kam es zum Anbau von Hanf- und Flachs, es wurde nach Achat, Rötel und Kalk gegraben, um auf diese Weise ein paar zusätzliche Einnahmen zu haben. 1927 wurde eine Schule gebaut. 34 Jahre lang unterrichtete ein Lehrer die Kinder in einem einzigen Saal. 1971 wurde die Schule aufgelöst und später zum Vereinshaus umgebaut. Eine interessante Statistik ist im Besitz des ehemaligen Bürgermeisters von Lindscheid. Zwischen Juni 1960 und Dezember 1973, also bis zur Auflösung der bis dahin selbstständigen Gemeinde, fanden in dem kleinen Ort 107 Gemeinderatssitzungen mit 687 Tagesordnungspunkten statt. Die ehrenamtlich tätigen Ratsmitglieder verzichteten während dieser Zeit auf ihre Sitzungsgelder und nur eine einzige Feierschicht musste bezahlt werden. Das tat der sicher nicht immer gut gefüllten Gemeindekasse wohl. Schon seit über 25 Jahren gibt es am Rand des Dorfes, das heute 415 Einwohner zählt, das Naherholungsgebiet "Waldborn", das mit seinen Wander- und Trimmwegen viele Sporttreibende anzieht. Der im Jahr 1987 verstorbene Rektor Hans Thome verfasste die Schulchronik von Lindscheid, die nicht nur aus der Schulgeschichte berichtet, sondern auch allgemeine Begebenheiten aus dem Dorfgeschehen. Er schloss das Buch 1971 mit dem Eintrag „Ende der Volksschule Lindscheid“ Über die Verkehrsverbindungen von Lindscheid schrieb der Dorflehrer Thome: "Allmählich wurden die Verkehrsverhältnisse etwas besser, so dass die Bergleute ab dem Jahr 1892 nur noch bis St. Wendel zu Fuß gingen und anschließend mit der Eisenbahn bis nach Sulzbach fuhren. Im Jahr 1898 marschierten die Bergleute bis Bubach und ein Jahr nach Fertigstellung der Bahnstrecke Nonnweiler-Wemmetsweiler nach dem näher gelegenen Limbach."